Gesundheit & Politik: Deutsche zu dick? - DER SPIEGEL
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Gesundheit & Politik Deutsche zu dick?

Der stämmige bolivianische Präsident Evo Morales hat mit seinem Hungerstreik eine Wahlrechtsreform erzwungen. Hat dieses Ereignis auch Auswirkungen auf Deutschland?
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Richtungsweisend?

Sieg, er darf sich der Wiederwahl stellen!

Dieses Foto macht deutlich, warum seine Gegner verzweifelt aufgaben: Der auch nach Tagen des Fastens immer noch füllige Präsident hätte seinen politischen Kampf noch Monate, womöglich Jahre uneingeschränkt fortsetzen können.

Diese Form der Auseinandersetzung erscheint uns auf den ersten Blick fremd, doch ist sie das wirklich?

Die Macht des Gewichts

Die schier endlose Amtszeit Helmut Kohls resultierte nach Ansicht von Beobachtern vorrangig aus seiner Statur. Angesichts dieses in Fachkreisen auch als "Drohpotential" bezeichneten Vermögens, Krisensituationen nahezu unbegrenzt durchstehen bzw. -sitzen zu können, war jedes Aufbegehren gegen ihn zum Scheitern verurteilt. Doch war Kohl ein Einzelfall?

Inkonsequent

Der besser als "Jojo" Fischer bekannte ehemalige Außenminister hatte - mindestens - ein gravierendes Problem: Seine rasanten Zu- und Abnahmen wirkten sich nicht nur verheerend auf die von ihm angestrebte Alleinherrschaft bei den Grünen sowie in der deutschen Politik aus, sondern machten seine Wiedererkennung so gut wie unmöglich. Fischer war deshalb gezwungen, seine Identität beständig durch Hilfsmittel und Tricks nachzuweisen. Diese Eigenheit wurde allgemein als "unseriös" und "merkwürdig" betrachtet, hatte aber auch Folgen für seine Partei...

Mehr Stabilität?

Die Grünen waren gezwungen, eine neue Führung zu installieren, die dem Wort der Partei dauerhaft mehr Gewicht verleihen sollte und zudem geeignet schien, Optimismus und gute Laune auszustrahlen. Eine - noch nicht abschließende - Bilanz vermerkt Teilerfolge.

Trittbrettfahrer

Kaum bekannt ist in der Öffentlichkeit die Tatsache, dass die populäre Behauptung "zwei Drittel der Deutschen sind zu dick" ursprünglich einer innenparteilichen Erhebung der Grünen entstammt.

Die SPD setzt in der Auseinandersetzung mit konkurrierenden Parteien auf Sigmar Gabriel. Die Zwei-Drittel-Mehrheit gegenüber dem CSU-Wirtschaftsminister scheint derzeit gesichert.

Als fragwürdig muss jedoch eine Richtungsentscheidung der jüngsten Vergangenheit gelten...

Warum?

Bis heute rätseln Parteienforscher über die Motive der SPD beim Führungswechsel. Dass die Genossen "den dicken Beck" ziehen ließen bewerten die Wissenschaftler "unter machtpolitischen Gesichtspunkten als heikel". Warum sie dann aber auch noch "ausgerechnet den dünnen Müntefering" holten, sei "geradezu fahrlässig", der habe "doch so gut wie keine Reserven".

Aus Münteferings Umgebung wird dieser These widersprochen. Der Vorsitzende sei "zu allen Kampfformen bereit und in der Lage, auch zum Hungerstreik, zumindest zwischen den Mahlzeiten".