Lexikon des Alltags: Insolvenz, was ist das eigentlich? - DER SPIEGEL
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Lexikon des Alltags Insolvenz, was ist das eigentlich?

Den Begriff hört man dieser Tage fast täglich überall: Insolvenz. Klar ist soweit: Insolvenz hat irgendwas mit Loslassen zu tun, mit Abschiednehmen, mit Aufbruch in ein Neues, Unbekanntes. Doch was geschieht nun eigentlich ganz genau bei einer Insolvenz?
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Zunächst einmal: eine Insolvenz bricht nicht über die Betroffenen herein wie eine Gewitternacht oder die Liebe, sondern sie muss regulär und mit entsprechendem zeitlichem Vorlauf angemeldet werden. Denn Insolvenzplätze sind begehrt, die Warteliste ist lang. Viele Unternehmen arbeiten daher jahrelang auf die Insolvenz hin, bis es endlich so weit ist (Opel!).

Dann passiert folgendes: Der Insolvenzverwalter händigt dem Scheff und seinen engsten Mitarbeitern die Insolvenzwäsche aus. Diese legen diese an. Dann werden sie unter dem beifälligen Gejohle der Belegschaft auf den Firmenparkplatz geführt und an den Füßen an je eine Laterne gehängt, und zwar so lange, bis ihnen schlecht ist. Nun schneidet der Hausmeister sie herunter und achtet dabei möglichst darauf, dass sie mit dem Kopf hart auf den Boden schlagen. Aber nicht zu hart! Nur ein bisschen.

Auf einer Sackkarre wird nun die ehemalige Führungsriege an den Ortsrand gerollt, abgeladen und ihrem Schicksal überlassen. Meist nimmt sie ein Truckerfahrer mit und macht irgendwas mit ihnen, oft ziehen sie auch gemeinsam in den Wald und verwildern erfolgreich, ernähren sich von Beeren und Füchsen und tun ansonsten niemandem ein Leids an.

Auf dem Firmenparkplatz findet währenddessen das feierliche, eigentliche Insolvenzzeremoniell statt: Alle Mitarbeiter bekommen als kleines Dankeschön für die jahrelange selbstlose Mehrwertschöpfung ein Stückchen Kuchen ausgehändigt (ab 25 Jahre Betriebszugehörigkeit mit Schlagsahne!). Und dann ist auch schon Schluss. Der Hausmeister macht das Licht aus, alle gehen nach Hause und bleiben ab dem folgenden Tag im Bett liegen. Schön ist das nicht, aber was will man machen...