EU überlegt noch: Keine Strafen für Athen? - DER SPIEGEL
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EU überlegt noch Keine Strafen für Athen?

Das gigantische Staatsdefizit Griechenlands - Finanzminister Papakonstantinou spricht von 12,7 Prozent - stellt die Europäische Union vor Probleme.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Zahlen die Mitgliedsländer Hilfen an die Griechen, dann könnte die EU nach Meinung vieler Banker zur "Inflationsgemeinschaft" werden. Würde ein Defizit-Verfahren eingeleitet, müsste sich das hochverschuldete Land wegen der Strafzahlungen zusätzlich verschulden. Ein Ausweg wären womöglich Sanktionen. Doch wie könnten die aussehen? Öffentlich sagt niemand etwas, aber hinter vorgehaltener Hand werden Maßnahmen diskutiert.

Zahlen

Nahezu Einigkeit herrscht bei vielen EU-Vertretern über die Forderung: "Die Griechen dürfen ihre Zahlen nicht mehr frisieren!" Dieses - ausschließlich auf den Finanzsektor bezogene - Ansinnen wird von griechischer Seite als "überzogen" beurteilt

Namen

"Die sollen sich erst mal vernünftige Nachnamen zulegen", hört man immer wieder in Brüssel und Straßburg. Premierminister Papandreou, Finanzminister Papakonstantinou, Staatspräsident Papoulias weisen das entschieden zurück. Die Ministerin für Gesundheit, Frau Xenogiannakopoulou, bezeichnet die Forderung als "absurd".

Freundschaft

Die griechische Seite reagiert aber nicht in jedem Fall ablehnend. Der gewünschten Verbesserung der Beziehungen zur Türkei steht Griechenland aufgeschlossen gegenüber. Einzige Bedingung: Die EU verzichtet auf die Formulierung "Festigung der unverbrüchlichen Freundschaft zum türkischen Brudervolk".

Feuer

Die Androhung der Europäischen Union, Griechenland künftig nicht mehr als Hüter der Olympischen Flamme zuzulassen, löst bei den verantwortlichen griechischen Behörden keinerlei Besorgnis aus.

Fußball

Auch die unter anderem von Deutschland unterstützte Drohung, Griechenland müsse "Otto Rehhagel weitere fünf Jahre behalten und auch künftig diesen furchtbaren Fußball ansehen", scheint den Griechen egal zu sein. Genau das hatten Experten befürchtet: "Die kennen es doch nicht anders."

Musik

Ein letzter, aber nicht zu unterschätzender Trumpf der EU: Sollte sie ihre Ankündigung wahr und das Abspielen von "Griechischer Wein" in den Restaurants landesweit einschließlich der Regierungskantine zur Pflicht machen, müssten die Behörden dem Druck wohl nachgeben.