Literatur: Das Buch der Bücher - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Literatur Das Buch der Bücher

Papstattentäter Mehmet Ali Agca will nach seiner Haftentlassung nunmehr seine Memoiren vorlegen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Das Buch soll möglichst viel Geld kosten und unter dem Titel "Der Mann, der den Papst nicht richtig erschoss" demnächst weltweit unter großer Empörung veröffentlicht und millionenfach verkauft werden. Wir bringen die geschmacklosesten Stellen im Vorabdruck, um unserer journalistischen Sorgfaltspflicht nachzukommen:

Kindheit

"Meine Kindheit war sehr kindisch. Mein Vater nahm mich nicht ernst. Sein Lieblingsspruch war: 'Ali, aus dir wird nie ein richtiger Papstattentäter.'"

Vorher

"Papst um Papst ließ ich vorbeiziehen. Ich traute mich nicht ran. Dann, endlich, kam Johannes Paul II ins Amt: Ein kleiner Pole, nicht besonders helle, Katholik. Da wusste ich: Ali, das ist dein Mann, der hat genau dein Format."

Die Tat

"Ich legte an und drückte ab. Doch es war wie verhext: Der Papst starb einfach nicht. Wie ein Zombie riss er den Mund auf und lachte, lachte, lachte mich aus, höhnte mit der Stimme meines Vaters: 'Siehst du Ali, ich hab es dir ja gesagt! Nicht mal einen polnischen Papst kannst du fertigmachen, du Versager!'"

Nachher

"In der Haft fühlte ich mich nicht wohl, alles war so eingeschränkt, wie im Gefängnis. Dann kam auch noch Johannes Paul vorbei, um mir zu verzeihen. Wahrscheinlich eine Idee meines Vaters. Wie demütigend. Leider fand ich in der Eile meine Waffe nicht."

Ausblick

"Als ich hörte, dass Johannes Paul gestorben war, biss ich vor Wut ein Loch in meine Zellentür: Gott war mir zuvorgekommen, hatte seinen Stellvertreter aus dem Weg geräumt. Ich schwor, mir diesen Gott vorzuknöpfen, sobald ich aus dem Gefängnis entlassen würde..."