Geschichte 100 Jahre Hoyerswerda
Damals
Schmuckes Haus (Abb. ähnl.)
Foto: dapd
Zeit, sich zu erinnern, was überhaupt geschehen war. Was also war überhaupt geschehen? Das Jahr 1991 war eins von diesen Jahren mit Frühling, Sommer und Herbst und so weiter. Tatsächlich war es also Herbst geworden, und da stellten die Hoyerswerdaer fest, dass zwar die allermeisten Vögel sich sammelten und in Schwärmen Richtung Afrika flogen, wie es sich gehörte, jedoch ein paar wenige Vögel am Rand des Ortes sich in einem schmucken Haus eingerichtet hatten. Seltsame, schwarze Vögel waren das, die gerade erst aus Afrika gekommen waren und nun keinerlei Anstalten machten, wieder zu gehen.
Gruppendynamischer Prozess
Hoyerswerdaer (Abb. ähnl.) beim Gucken
Foto: dapdEine Weile grummelten die Hoyerswerdaer tonlos vor sich hin, aber das half nichts. Die schwarzen Vögel blieben. Schließlich rafften sich also die tapfersten und kühnsten unter den Hoyerswerdaern auf und zogen vor das Haus und guckten böse. Das half natürlich auch nichts. Da schnitten sie sich alle Haare ab. Dann riefen sie so Sachen. Dann warfen sie mit Feuer. Mittlerweile waren auch die meisten anderen Hoyerswerdaer herbeigeeilt und standen ihnen bei, indem sie dumme Gesichter machten und klatschten. Und nun kamen von außerhalb die Reporter, filmten alles und trugen die Geschichte in die Welt hinaus. Das war vielleicht peinlich! Die Regierenden überlegten hin, überlegten her, und kamen schließlich auf eine Lösung:
Optimistischer Ausklang
Renaturierung: Schöner unser Hoyerswerda
Foto: Simon Leißler/ dpa
Das Städtchen wurde abgeriegelt und von NATO-Verbänden dem Erdboden gleichgemacht. Drei Tage und Nächte flogen die Bomber, und als am vierten Tag die Sonne aufging, da gab es kein Hoyerswerda und auch keine peinlichen Probleme mehr. Mit Mitteln der EU wurde die verbrannte Erde abgetragen, fruchtbare, gute Erde wurde aufgebracht, und bald wuchs ein Wald mit allem drum und dran, mit wilden Himbeersträuchern, mit Hasen und Rehen und einer Quelle, und in der Mitte gab es eine Lichtung mit hohem Gras, das sanft im Wind hin- und herschaukelte. Und manchmal, an einem dieser späten, warmen Sommertage, wenn es scheint, als bliebe das Wetter, als bliebe alles für immer gut, tanzen Schmetterlinge stumm auf der Lichtung, und es ist wie Musik. Und irgendwie von ferne hört man einen Schrei; aber das ist sicher nur ein Vogel.