Isländische Literatur! Alles, was Sie darüber wissen müssen
Konsonantendissonanz
Seltener Schnappschuss: Vidliskauskajökull beim Abendspaziergang zu seiner Lieblingsboutique "Tankrstellin Öppettiddr 0 - 24"
Foto: HERWIG PRAMMER/ REUTERSKutterschrubberprosa
Sleipnikovskirsson (Abb. ähnl.) hat die besten Ideen für seine pikant-romantischen Erzählungen meist beim Ausweiden von fangfrischem Kabeljau.
Foto: Matt Cardy/ Getty ImagesDental-labiale Debilität
Die ersten Runen wurden noch mit der Zunge - statt, wie heute üblich, mit den Augen - gelesen.
Foto: MIGUEL VIDAL/ REUTERSDoreensdottirismus
Auch interessant: Für das Wort "peinlich" gibt es im Isländischen keine Entsprechung.
Foto:PETRAS MALUKAS/ AFP
Kiel
Eine kleine Galerie nahe Vestmannaeyjar lässt ihn sogar seine selbstgemachten Kohlezeichnungen ausstellen.
Foto: A3615 Patrick Lux/ dpaVorweg: Ein großer Isländer muss aus naheliegenden Gründen leider ungenannt bleiben. Es ist der Kulturbeauftragte von Akureyri, Halldulikugrimmsonr Vidliskauskajökull, dessen Name noch zwei bis drei weitere, für uns vollkommen unerklärliche Konsonanten enthält und den selbst engste Freunde vermeiden, direkt anzusprechen. Vidliskauskajökull ist darüber winterdepressiv geworden und von September bis Juli für niemanden zu sprechen. Literaturkenner versprechen sich von ihm und seiner Abgeschiedenheit eine "Isländische Literaturhistorie in mindestens acht Bänden bzw. Blättern". Die beiden wichtigsten Romane der isländischen Gegenwartsliteratur hat ohne Zweifel Hollgrimmur Sleipnikovskirsson in den Jahren 1980 und 2007 geschrieben. Ihre Titel tun nichts zur Sache, aber sie sind heute Allgemeingut in Island, die Fischfrauen packen damit ihren Kabeljau ein. Sleipnikovskirsson selber ist über all dem Ruhm stets "Plankennah wie ein Kutterschrubber" geblieben - so der Titel seiner ersten Gedichtsammlung, die das lyrische Gesamtwerk Islands im 21. Jahrhundert umfasst. Island ist seit dem frühen 7. Jahrhundert vollständig alphabetisiert - kurz darauf begann die Besiedlung der Insel durch Hallgrimmur den Namenlosen, der sich, der Überlieferung zufolge, den ersten Buchstaben des isländischen Alphabets noch am Ufer auszudenken begann. Die ersten Siedler versorgten ihn mit dem Nötigsten, und schon im Jahr 832, wenige Jahrzehnte nach Inbesitznahme der Insel, soll Hallgrimmur den Buchstaben, einen komplexen dental-labialen Zischlaut, fertig gehabt und die ersten Sagas aus ihm komponiert haben. Die Sängerin Björk, die in Wirklichkeit Dshennifer Doreensdottir heißt, wird nur außerhalb Islands als Sängerin wahrgenommen. In ihrem Heimatland selber verehrt man sie als mehrfache Inselmeisterin im Kabeljauweitwurf, der, ähnlich wie unser Kugelstoßen, nur unter schrecklichem Geschrei möglich ist - eine Lautäußerung, die auch Björks Gesangsstil entscheidend geprägt hat. Björk hat zudem zwei Sportbücher "Der Flug des Kabeljaus" und "Die Landung des Kabeljaus" geschrieben, die aufgrund mangelhafter Übersetzung bei uns als avantgardistische Romane erschienen sind. Im Ganzen ist die Literaturszene Islands eine bunte und schillernde, sie steht der von Kiel in nichts nach. Auch die Rezeption deutscher Werke ist erfrischend unbefangen: Eher überflüssige Autoren wie Goethe oder Thomas Mann sind hier vollkommen unbekannt, wohingegen Günter Grass eine eigene Fernsehsendung bekommen hat, in der er die besten Szenen des in Island ungemein beliebten NDR-Walross Antje nachspielt.