Das anspruchsvolle Kurzporträt (6) K.T.M.N.J.J.P.F.J.S. etc. pp. Guttenberg
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Foto: FABRIZIO BENSCH/ REUTERSAch wo, eine "reizende indische Ärztin in den USA", so antwortete K.T. zu Guttenberg neulich der "Zeit", habe festgestellt, "dass ich ohne Brille vollkommen ausreichend sehen kann". Nach dem Rücktritt sei sein Sehvermögen seltsamerweise deutlich besser geworden.
Feinde und Neider streuen nun das Gerücht, K.T. zu Guttenberg habe in Wirklichkeit schon immer gute Augen gehabt und sich die Brille nur des promoviert-professoralen Gesamteindrucks wegen angeschafft, als Bühnenrequisit, als wäre so eine Sehhilfe ein profaner Gebrauchsgegenstand wie etwa eine Doktorarbeit. Das ist eine infame Unterstellung.
Zudem handelt es sich um ein altbekanntes Phänomen: Viele Politiker sehen nach ihrer Außerdienststellung die Welt um Dioptrien klarer und schärfer. Es ist dann, als hätte man ihnen Tomaten von den Augen genommen. Über Jahrzehnte hinweg und im Extremfall führt das zum Helmut-Schmidt-Syndrom (siehe im Pschyrembel unter "allumfassende Universalerkenntnis").
Allerdings: Dass hier jemand binnen weniger Monate seine Brille gleich ganz wegwerfen kann, grenzt an ein Wunder. Ja, womöglich kann K.T. zu Guttenberg nicht nur sich, sondern auch andere Menschen heilen: Stumme sprechend, Lahme gehend und den Verfassungsschutz sehend machen. Er selbst weiß um diese Möglichkeit und wäre, um anderen zu helfen, gewiss bereit, erneut zurückzutreten. Doch um ein weiteres Mal zurücktreten zu können, muss K.T. zu Guttenberg erst einmal ganz schnell zurück in die Politik. Er würde indes dabei riskieren, dass seine Linsen sich sofort wieder trüben. Darf Deutschland so ein Opfer annehmen?