Der kulturpolitische Kommentar Werteverfall
Mit welchen Transportmitteln wer im nächsten Jahr durchs Wendland fährt, ist noch offen
Foto: Jochen Lübke/ dpaLeider wurde die größte und am meisten gefährdete ethnologische Kostbarkeit nicht berücksichtigt. Es handelt sich um das nur in Deutschland so leidenschaftlich und liebevoll zelebrierte Ritual des Nukleartransports. Alljährlich trafen sich dazu bisher Zehntausende in einem tiefen, dunklen Wald, um sich gegenseitig von Schienensträngen zu tragen oder einander aus fantasievollen Stahlbetonkonstruktionen zu entnehmen. Ein unvergessliches Spektakel für Beteiligte und Zuschauer.
Doch der Veranstalter will nun die für das Zeremoniell unentbehrlichen Fördermittel - sogenannte "Castor"-Behälter - erst einmal nicht mehr zur Verfügung stellen. Das ist der größte kulturpolitische Skandal, seit dem Dresdner Elbtal der Welterbe-Status aberkannt wurde. Daran würde auch ein Vorhaben der Bundeskanzlerin nichts ändern. Angeblich will Frau Merkel im nächsten Herbst ersatzweise einige Koalitionsmitglieder in Hochsicherheitscontainern durchs Wendland transportieren lassen. Sie habe aber noch nicht entschieden, wer am verstrahltesten wirke. Notfalls müsste sie es eben selbst machen.