Neuer Trend: Luxusleben ohne Geld - DER SPIEGEL
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Neuer Trend Luxusleben ohne Geld

Mülltaucher ziehen aus den Containern der Supermärkte bekanntlich die herrlichsten Speisen: Bio-Hummer, Gänseleber, Erfrischungsstäbchen. Weniger bekannt ist, wie Geldabstinenzler ihre sonstige Zeit verbringen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

"Wir stehen auf und frühstücken, räumen ein bisschen auf, singen unserer Tochter etwas vor, gehen spazieren", so beschrieb jetzt die Freundin des wohl prominentesten Geldverzichters in Deutschland, Raphael Fellmer, ihren üblichen Tagesablauf. Nun, wir von SPAM meinen, da geht noch was:

Spritztouren ohne Geld

Mithilfe mitgeführter Kleingärten tarnen sich viele Parkplatz-Einsteiger zunächst als harmlose Kakteengießer.

Mithilfe mitgeführter Kleingärten tarnen sich viele Parkplatz-Einsteiger zunächst als harmlose Kakteengießer.

Foto: Caroline Seidel/ dpa

Nur weil man kein Geld hat, braucht man nicht gleich aufs Autofahren zu verzichten. Der sogenannte "Einsteiger" lauert auf Parkplätzen, bis irgendwo meist von Ferne die Zentralverriegelung gelöst wird. Elegant steigt er sodann auf der Fahrerseite ein und fragt den zusteigenden Eigentümer: "Na, wo soll's denn hingehen?" Die meisten Autobesitzer halten den Einsteiger für ihren Chauffeur, die restlichen reagieren hoch erfreut. Ökologisch sinnvoll ist es zudem, weil dieses Auto ja ohnehin mit 200 Stundenkilometer über die Autobahn geprescht wäre.

Jetset-Leben ohne Geld

In den Regionalflughäfen Hannover und Osnabrück ist das "Airplane-Surfen" bereits zum Volkssport geworden.

In den Regionalflughäfen Hannover und Osnabrück ist das "Airplane-Surfen" bereits zum Volkssport geworden.

Foto: Barbara Walton/ dpa

Der sogenannte Mitflieger nutzt unbenutzte, aber bereits bezahlte Flugtickets. Dazu postiert er sich im Flughafengebäude und hält dort Ausschau nach Pärchen, bei denen ein Partner so ähnlich wie er selber aussieht. Kommt es nun bei diesen Pärchen noch vor dem Abflug zum Streit, woraufhin dann einer nicht mehr mitfliegen will, springt der Mitflieger ein. "Das ist ein super befreites Leben. Ich komme ohne einen Pfennig prima um die Welt und esse mich während des Fluges satt."

Dachterrasse ohne Geld

In Ländern wie New York gehören festangestellte Dachterrassen-Empfangskomitees längst zum guten Ton.

In Ländern wie New York gehören festangestellte Dachterrassen-Empfangskomitees längst zum guten Ton.

Foto: Dario Lopez-Mills/ AP

Der Dachterrassenmitnutzer lässt sich von einem befreundeten Hubschrauberpiloten auf ungenutzte Dachterrassen abseilen. "Sie wären überrascht, wie viele es davon gibt und wie sonnig die sind." Dort legt er sich auf eine meist schon bereitgestellte Liege und lässt sich ab und an ein kühles Bier abwerfen. "Manche Dachterrassenbewohner stellen inzwischen kleine Schälchen mit Essen für mich raus. Das ist echt süß."

Restaurantbesuche ohne Geld

Der Mitesser von Welt zahlt stets mit einem tief empfundenen "Danke".

Der Mitesser von Welt zahlt stets mit einem tief empfundenen "Danke".

Foto: BRIAN SNYDER/ REUTERS

Der Mitesser hat sich meist auf Reste von Kinderessen spezialisiert. Denn Kinder sind ja die allergrößten Verschwender überhaupt. Die schieben oft ganze Teller einfach weg mit dem merkwürdigen Satz: "Mag ich nicht." Der Mitesser lagert daher meist in der Nähe eines Kindertisches. Manche machen auch gemeinsame Sache mit denjenigen Kindern, die nur dann ein Eis kriegen, wenn sie den Teller leer gegessen haben.

Internetshoppen ohne Geld

Immer mehr Menschen sind froh, wenn ihnen jemand beim Lesen hilft.

Immer mehr Menschen sind froh, wenn ihnen jemand beim Lesen hilft.

Foto: GARY CAMERON/ Reuters

Der Mitleser findet es total verschwenderisch, dass die meisten Bildschirme immer nur von einem angeguckt werden, wo doch gut mehrere darauf lesen könnten, was eine Menge Strom sparen würde. Der Mitleser stellt sich also ganz leise hinter einen und liest einfach mit. "Ich bin da echt immer super informiert. Nur ganz selten frage ich mal, ob man vielleicht nochmal zurückblättern könne, weil da diese günstige Hose... Aber meistens fällt mir dann ein, dass ich ja sowieso kein Geld habe."