Deutsche-Bank-Todeswetten: US-Senioren im Sterbe-Streik! - DER SPIEGEL
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Deutsche-Bank-Todeswetten US-Senioren im Sterbe-Streik!

Die Deutsche Bank bietet spannende Todeswetten an: Je früher 500 US-Senioren sterben, umso lukrativer ist der Fonds "Kompass Life 3". Doch - entgegen aller Versprechen - sterben die Senioren nicht im erhofften Ausmaß.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

SPAM sprach mit betroffenen Referenz-Senioren, dubiosen Gutachtern, scheidenden Bankenchefs und erfuhr von unglaublichen Machenschaften.

Fay R. (78), Referenz-Seniorin der ersten Stunde

Foto: STEPHANE DE SAKUTIN/ AFP

Eines Tages kam ein freundlicher Herr zu mir und erklärte mir, in Deutschland glaubten unheimlich viele Leute, dass ich bald sterben würde. Ich war natürlich empört, aber auch überrascht, dass ich in Deutschland so bekannt bin. Weil, hier in den USA kennt mich kein Schwein. Der Herr erklärte mir weiter, dass er in Deutschland für eine sehr gute Bank arbeite, welche diese bösartigen Menschen mit einer Wette in den Ruin treiben wolle. Ich fand das toll und machte deshalb gerne mit.

Paulette P. (28), Mutter einer Referenz-Seniors

Foto: LUCAS JACKSON/ REUTERS

Natürlich werde ich oft gefragt, wie unser erst 3jähriger Sohn in die Gruppe der Referenz-Senioren geriet. Nun, es ist ganz einfach. Zu seinem ersten Geburtstag kam überraschend eine Gutachtergruppe vorbei und stellte fest, dass unser Sohn die Wiedergeburt eines bereits 85jährigen Buddhas sei. Tja, das war natürlich ein ziemliches Ding. Und es ist nicht immer einfach. Viele unserer neidischen Nachbarn behaupten derzeit dasselbe von ihren Söhnen.

Ilona S. (27), Referenz-Seniorin

Foto: SCOTT AUDETTE/ REUTERS

Ja, ich erinnere mich noch genau: Es war am Strand von Miami. Da sagte so ein Typ zu mir: Hey, Sie sehen ja aus wie 27! Ich darauf: Ich bin 27! Er notierte sich etwas, und fragte dann: Sind Sie dement? Ich entgegnete pikiert: Nicht, dass ich wüsste. Das bewies ich ihm sogleich, indem ich ihm auswendig meine Sozialversicherungsnummer nannte. Seitdem ruft er mich jedes Jahr einmal an, fragt, wie's mir so geht, ob ich noch lebe, beglückwünscht mich zu meinem hohen Alter. Ist doch nett, oder?

Richard D. (42), Medizinischer Gutachter

Foto: Boris Roessler/ dpa

Also, es war so circa vor zwei Jahren, da schenkte uns die Deutsche Bank einen Maya-Kalender. Da war so ein Datum rot eingekreist. Daneben stand: "Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, einen Weltuntergang zu überleben?" Nun, das brachte mich natürlich ins Grübeln, und ich korrigierte die Lebenserwartungen entsprechend.

Josef A. (666), Banker

Foto: Boris Roessler/ dpa

Bei so einer Todeswette ist es immer wichtig, sich auf die richtige Seite zu stellen. Das heißt, wettet man auf den baldigen Tod oder auf ein langes Leben? Und sehen Sie, da hat die Deutsche Bank doch alles richtig gemacht. Dass manche Leute uns jetzt vorhalten, dass unsere 500 Referenzsenioren doch länger leben als wir ursprünglich dachten, kann ich nur zynisch nennen.