Die Middelhoffs in Not Leben am Existenzminimum
Das Gericht glaubte nicht, dass das monatliche Existenzminimum des Ehepaars bei mehr als 35.000 Euro liege. Dabei koste allein schon das Personal in ihren zwei Villen so viel, so die Middelhoffs. Besonders bitter: Sie haben ja jede Menge Geld, aber die Bank gibt es nicht her. Und das nur, weil die Middelhoffs die Rückzahlungen für einen 100-Millionen-Euro-Kredit eingestellt haben. Was nun?
Erst mal Abendessen
Nach Stunden des Hungerns soll es bei Middelhoff zu ersten Halluzinationen gekommen sein.
Foto: RAHEB HOMAVANDI/ REUTERSNach einer kurzen aufklärenden Ansprache an das Personal nahm das Ehepaar an seinem wie immer stilvoll gedeckten Esstisch Platz und ließ sich ein fünfgängiges Luftmenü servieren. "Es war so unglaublich hart mitanzusehen", berichtete die Hausangestellte Jasmin. Wieder und wieder habe Herr Middelhoff die leere Gabel zum Mund geführt und die Kochkünste ihrer Chefin gelobt, während sein Magen laut geknurrt habe. "Wir vom Personal waren uns schnell einig. Schon morgen bringt jeder von uns ein paar Reste von sich zu Hause mit: bisschen Hummer, Kaviar und so. Die kriegen wir schon irgendwie durch."
Dann Heizung abschalten
Selbst im Gästezimmer wurde die Heizung auf "1" gestellt. Unausdenkbar, wenn jetzt der Bundespräsident mit seiner Gattin vorbeigeschneit wäre!
Foto: JASON LEE/ REUTERSNach dem Abendessen stellte Frau Middelhoff überall in der Villa die Heizung ab. Danach guckte das Ehepaar, in mehrere Pelzmäntel gewandet, eine aufgezeichnete Fernsehsendung an: "Raus aus den Schulden mit Peter Zwegat". Für die geschätzten 200 Hausbediensteten in ihren dünnen Personalgewändern wurde es jedoch so kalt, dass schnell eine "Sammlung zur Wiederbelebung der Heizung" veranstaltet wurde. Eine recht spektakuläre Summe soll so zusammen gekommen sein und die Heizung wurde wieder eingeschaltet. Hapuh!
Schlaflose Nacht (Teil 1)
Eine Zeit lang wollte Middelhoff einfach nur noch gestreichelt werden.
Foto: Bernd Thissen/ dpaTrotzdem es jetzt wieder mollig warm war, fand das Ehepaar in dieser Nacht keinen Schlaf, sondern machte sich Sorgen: Wo könnte neues Geld herkommen? Sollten Sie die Zweitvilla abstoßen? Aber wohin dann mit dem ganzen dortigen Personal? Herr Middelhoff schlug vor, Frau Middelhoff könne doch was von ihren 619.586,83 Euro auf der Bank abheben. Aber diese Summe hatte Frau Middelhoff eisern zusammengespart, um sich davon ein Faschingskostüm zu kaufen. Und jetzt war ja bald Fasching. Sollte sie denn nackt gehen?
Schlaflose Nacht (Teil 2)
Abends schweifen Middelhoffs Blicke oft zur Schlafzimmerdecke hoch, und er fragt sich, wie alles überhaupt so weit kommen konnte.
Foto: A2800 epa/Maxppp Didier Saulnier/ dpaNa dann, mussten sie halt einen der Diamant-Kronleuchter verkaufen. Aber herrje, der war doch ein Geschenk von Madeleine! Die Mingvase hatte Steve gebracht, das Brillantenkollier war von Tiffany persönlich verehrt worden, der schon etwas abgewetzte Bettvorleger... Hm? Von wem hatten sie den nochmal? Ha, den hatten sie doch mal selbst gekauft, also beziehungsweise mitgenommen, als Andenken an eine Nacht in der Königssuite des Burj al Arab. "Weiß du noch?" Ja, Herr Middelhoff wusste es noch, aber so bitter es auch war: Gleich morgen würde er den Bettvorleger auf Ebay reinstellen. Vielleicht konnten sie damit einen weiteren Tag überleben.