Volkskrankheit Aufschieberitis: Hier naht die Rettung! - DER SPIEGEL
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Volkskrankheit Aufschieberitis Hier naht die Rettung!

Psychologen zufolge leidet "weltweit fast jeder Fünfte" unter Prokrastination, zu deutsch Aufschieberitis! Darunter sind auch viele, viele SPAM-Leser.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Wir von SPAM wissen, dass viele von Ihnen, liebe Leser, es nicht schaffen, die Witze hier auch zu Ende zu klicken. Früher hätte man das diffamierend Faulheit genannt. Heute ist es eine Krankheit, die Sie, liebe Leser, vielleicht mit haarsträubenden Schutzbehauptungen zu vertuschen suchen, etwa "ist gar nicht witzig" oder "ich muss jetzt arbeiten". Machen Sie damit jetzt Schluss! Befolgen Sie unseren Zwanzig-Punkte-Plan!

Entschlacken Sie Ihre To-do-Liste

72 Prozent aller Betroffenen finden es hilfreich, ihre Post-it-Zettel zu großen Reproduktionen bekannter impressionistischer Gemälde anzuordnen.

72 Prozent aller Betroffenen finden es hilfreich, ihre Post-it-Zettel zu großen Reproduktionen bekannter impressionistischer Gemälde anzuordnen.

Foto: CHRIS HELGREN/ REUTERS

Leute, die unter Prokrastination leiden, nehmen sich oft zu viel vor. Hier die typische To-do-Liste eines Erkrankten für den morgigen Mittwoch: Zähne putzen, 50 Seiten Diplomarbeit schreiben, Steuererklärung Jahre 2009 - 2011 machen, Wäsche aus der Waschmaschine aufhängen (müffelt schon), Badezimmer streichen, Hund füttern. Und das alles am Mittwoch! Das geht halt nicht. Lernen Sie, Ihre Kapazitäten realistischer einzuschätzen. Als Faustregel gilt: Das gewissenhafte Führen einer To-do-Liste füllt heutzutage in vielen Fällen ein Menschenleben schon mehr als genügend aus.

Zerteilen Sie komplexe Aufgaben in viele kleinere

55 Prozent empfehlen, vor der eigentlichen Arbeit einen kleineren Pottwal zu zerlegen.

55 Prozent empfehlen, vor der eigentlichen Arbeit einen kleineren Pottwal zu zerlegen.

Foto: dapd

Wenn jetzt zum Beispiel auf ihrer To-do-Liste steht: "Welt retten", "Reich und berühmt werden" oder auch "SPAM-Text zu Ende lesen", dann ist dies mitunter zu komplex. Da wissen Sie ja gar nicht, wo Sie anfangen sollen. Deshalb sollte man so was in kleine Häppchen einteilen. Problem: Schnell wird so aus einer einfachen To-do-Liste ein ganze To-do-Bibliothek. Das kann frustrieren. Sie sollten aber einfach immer weiter machen, immer weiter zerteilen, denn irgendwann wird der Arbeitsaufwand jedes einzelnen Schrittes bei fast null liegen.

Schalten Sie Zeitfressser aus

Schöne Sitte: In Pjöngjang ist es üblich, dass jeder Arbeitsschritt von einem applaudierenden Armeekorps verabschiedet wird.

Schöne Sitte: In Pjöngjang ist es üblich, dass jeder Arbeitsschritt von einem applaudierenden Armeekorps verabschiedet wird.

Foto: Korean Central News Agency/ dpa

Typische Zeitfresser kommen meist von Behörden, etwa Finanzamt, oder ganz schlimm, von der deutschen Rentenversicherungsanstalt. Mit mörderischen Tricks, wie der Behauptung, man habe eine Mitwirkungspflicht, versucht gerade Letztere, viele Selbstständige monate-, ja jahrelang von der Arbeit abzuhalten. Fangen Sie gar nicht erst damit an. Sie werden diese Leute sonst nie wieder los. Setzen Sie sich, falls notwendig, halt ins Ausland ab (Albanien, Nordkorea).

Die Brötchen-Strategie

45 Prozent aller Studenten sagen, sie hätten schon entscheidende Ideen beim Betrachten des Musters auf ihrem Cappuccinoschaum gehabt. Zwei Drittel aller Prüfer bestätigen, dass auf diese Weise auch die Benotung entsteht.

45 Prozent aller Studenten sagen, sie hätten schon entscheidende Ideen beim Betrachten des Musters auf ihrem Cappuccinoschaum gehabt. Zwei Drittel aller Prüfer bestätigen, dass auf diese Weise auch die Benotung entsteht.

Foto: Sean Gallup/ Getty Images

Haben Sie eine Abschlussarbeit an der Uni zu schreiben? Spüren Sie die Hirnlähmung schon beim ersten Gedanken an das Konvolut, das - wie Sie meinen - niemand jemals ernsthaft lesen wird? Völlig falscher Gedanke! Stellen Sie sich Ihre Prüfer vor, wie sie leiden; wie sie sich nach Ihrer Arbeit sehnen; wie sie sich morgens in kleiner Runde beim Kaffee treffen, um zu spekulieren, was für erhellende, überraschende Erkenntnisse Ihr epochales Werk enthalten wird! Mit lecker Brötchen und frischer Marmelade! So, und jetzt ab ins Café, da gibt es Kekse und gute Gedanken.

Setzen Sie sich realistische Ziele

Ein starkes, sportliches Springkaninchen sind Sie! Kein dümmlicher Hamster im Rad.

Ein starkes, sportliches Springkaninchen sind Sie! Kein dümmlicher Hamster im Rad.

Foto: Martin Schutt/ dpa

Auch hier sagen sich viele, naja, okay, dann schreibe ich halt nur eine Drei, na und? Das ist schon ein guter Ansatz. Aber bei Weitem nicht konsequent genug. Setzen Sie sich ein wirklich realistisches Ziel. Sobald Sie sich ein wirklich realistisches Ziel setzen, etwa "Hochkant durch die Prüfung rasseln", werden Sie erkennen: Der Druck weicht.

Ökonomisch arbeiten (Arbeitsökonomie)

Die meisten Auftragsarbeiten lassen sich problemlos erledigen, wenn man die dazu passende Kleidung anlegt.

Die meisten Auftragsarbeiten lassen sich problemlos erledigen, wenn man die dazu passende Kleidung anlegt.

Foto: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Sie haben ein gutes Drittel der erwarteten Arbeit bereits geleistet? Sehr gut. Das sollte eigentlich reichen. Fangen Sie jetzt an, bereits Gesagtes unauffällig wiederzuverwerten. Setzen Sie sich dabei aber unbedingt immer auch realistische Ziele! Fragen Sie sich, ob nicht manche Zeitfresser einfach ausgeschaltet werden könnten (Schlaf, Mittagessen). Und ein guter Tipp, der bereits von der Anti-Prokrastinierungsbewegung des 19. Jahrhunderts gefordert wurde: Entschlacken Sie Ihre To-do-Liste! Das Entschlacken der To-do-Liste kann häufig Wunder wirken.

Veredlung durch Selbstüberraschung

"Huch! Sapperlot..." scheint diese Frau zu denken. Es soll ihr Schade nicht sein.

"Huch! Sapperlot..." scheint diese Frau zu denken. Es soll ihr Schade nicht sein.

Foto: Tobias Kleinschmidt/ dpa

Überraschen Sie sich selbst! Das wird Ihnen auch von Seiten Ihrer Auftraggeber höchste Aufmerksamkeit sichern. Haben Sie eine Doktorarbeit à 400 Seiten angekündigt? Geben Sie ruhig die unvollendeten ersten 120 Seiten ab. Das wird Ihrem Werk eine Aura des Mysteriösen und Legendären verleihen. Sie haben die Ausarbeitung eines Zwanzig-Punkte-Plans versprochen und schon nach dem siebten Punkt keinen Bock mehr auf den Scheiß? Völlig egal. Ihre Leser haben die Lektüre eh längst beendet, denn merke: Bis zum siebten Punkt lesen nur Leute, die partout nichts zu tun haben, und ob man von solchen Leuten gelesen werden will... usw., pp., den Rest soll Sonneborn schreiben.