Kommentar: Keiner vermisst Dich! - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Kommentar Keiner vermisst Dich!

Stefan Kießling wird nicht mehr für Jogi Löw spielen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?
Es kommentiert: Unser Kommentator Jens-Karl Bochtler.

Es kommentiert: Unser Kommentator Jens-Karl Bochtler.

Foto: SPAM

Er wird für ihn nicht mehr Panflöte spielen, er wird nicht mehr auf seinem Geburtstag im Goleo-Kostüm auftreten, alle Skatrunden sind abgesagt zwischen Kießling und Löw. Wie hat es so weit kommen können? Unter Uninformierten galten die beiden als das Traumduo des deutschen Fußballs: Als Spieler der eine, der andere als Jogi Löw. Eine unverbrauchte, gut gebügelte Figur am Spielfeldrand. Sie hätten sich immer so prima ergänzt. Was aber, wenn der Kießling, wie zu befürchten stand, ein Tor nach dem anderen geschossen hätte für Deutschland, wenn er - rasenbespritzt, schweißnass und schmutzig - ein ums andere Mal auf Jogi Löw (im perfekt sitzenden, frisch gestärkten weißen Hemd) zugestürmt wäre, wahnhaft euphorisch? Nein, Fußballdeutschland weiß: Dieses Paar hatte keine Zukunft. Einen Klose brauchen wir, da vorne im Sturm, der sich nach jedem Tor nur depressiv bei der Haupttribüne entschuldigt. Einen Gomez, der eher frontal gegen den Pfosten kracht als zu treffen. Was hätten wir, mit unserem weltweit bewunderten Mittelfeldwirbel anfangen sollen mit einem wie Kießling? Wäre der nicht superplump immer bloß nach vorn gegangen, Ball am Fuß, Tor hier, Tor da? Kopf, Knie, Fallrück - alles egal? So einer wie Kießling, sagen Insider und bügeln dabei Jogis Hemden, so einer wie Kießling soll ruhig seine dummen Tore schießen, dauernd gewinnen, hysterisch jubeln, Schützenkönig sein - als ob es im Fußball nur um Pokale ginge! Wenn man die gewinnt, das weiß jedes Kind, wird man doch bloß mit Bier überschüttet.