Baumhass Pollenflug Heuschnupfen - DER SPIEGEL
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Aus aktuellem Anlass Die SPAM-Baumhasserfibel

Der Anlass ist nichtig: Die Bäume juckt der Hafer. Daher spritzen sie mal wieder den gesamten Luftraum mit ihren Samen voll. Ganz normal, sollte man meinen. Wer würde das nicht gerne tun.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Jedoch: Millionen von SPAM-Lesern, liebe SPAM-Leser, leiden darunter: Nasen laufen, Lider jucken, Ohren stürzen rotglühend zu Boden! Die Leute werden ganz blöde, fangen an, "welt.de" zu lesen. Daher gibt es jetzt bei uns exklusiv: Die SPAM-Baumhasserfibel (Teil 1 von 1).

Die widerwärtige Birke

Mode für Birkenliebhaber: Dank spezieller Kollektionen können unverbesserliche Birkenfans überleben und sich teilweise sogar vermehren.

Mode für Birkenliebhaber: Dank spezieller Kollektionen können unverbesserliche Birkenfans überleben und sich teilweise sogar vermehren.

Foto: Malte Christians/ dpa

Die Birke (auch "Darth Birke" genannt) tauchte zuerst in den fünfziger Jahren im Umfeld verunglückter Atombombenversuche auf (Bikini-Atoll, Hamburg-St. Pauli). Die Rinde ist genetisch verstrahlt, Schmetterlinge und kleinere Vögel zerplatzen, sobald sie sich auf einen Birkenzweig setzen. Gegenmittel gegen ihren tödlichen Pollenausstoß gibt es noch keine, Experten raten jedoch dazu, sich jedes Jahr im März freiwillig an einer Marsmission zu beteiligen.

Die grauenvolle Erle

Todesmutiger Einsatz: Die berühmte Kettensägerin "Death Earl" schleicht sich vorsichtig an eine Erle heran.

Todesmutiger Einsatz: Die berühmte Kettensägerin "Death Earl" schleicht sich vorsichtig an eine Erle heran.

Foto: A2800 epa Benjamin Stansall/ dpa

Die Erle wächst bevorzugt auf feuchtem Boden, den sie zuvor mit dem Blut ihrer Opfer getränkt hat. Als erster Baum überhaupt hat die Erle Überschallpollen mit Wärmesuchkopf entwickelt. Ihr Hass auf Menschen ist besonders groß, weshalb sie schon im keimenden Spätwinter ihr Trommelfeuer beginnt. In Computersimulationen soll es gelungen sein, Erlen mit Hilfe von Kettensägen zu bekämpfen, in der Praxis allerdings bleibt man im morastigen Boden stecken, der sie umgibt.

Die massenmordende Platane

Nie unter Platanen! Liebespaare, die diese Warnung ignorieren, werden von einem Mann mit Hut eingesammelt und von diesem als Ready-made ausgestellt.

Nie unter Platanen! Liebespaare, die diese Warnung ignorieren, werden von einem Mann mit Hut eingesammelt und von diesem als Ready-made ausgestellt.

Foto: A3498 Marcel Mettelsiefen/ dpa

Die Platane ist ein Meisterwerk der Evolution: Den Winter über lebt sie tief im Wald verborgen zwischen Schachtelhalmen und Sträuchern. Im Frühjahr dann künden allenthalben brutal zugerichtete Eichhörnchenleichen davon, dass die Platane ihren Winterschlaf beendet hat... schi! Platanen gibt es schon seit einem der frühesten Erdzeitalter (mal selber ausdenken). Ein besonders schöner Frühling mit Rekord-Platanenpollenaufkommen vor ungefähr siebzig Millionen Jahren soll zur völligen Auslöschung der Dinosaurier geführt haben. Um die läppische Menschheit von der Erdoberfläche zu tilgen, müssten zwanzig, einundzwanzig Grad und gute Windverhältnisse eigentlich rei... hei... hei.. tschi!!!

Der blutrünstige Spitzwegerich

Rache der Natur: Je öfter man einen Spitzwegerich zu vernichten sucht, um so schrecklicher blutrote Blüten treibt er später aus.

Rache der Natur: Je öfter man einen Spitzwegerich zu vernichten sucht, um so schrecklicher blutrote Blüten treibt er später aus.

Foto: Matthias Bein/ dpa

Der Spitzwegerich ist einer der tückischsten Menschenfeinde unter den Bäumen. Genau genommen ist er nicht einmal ein Baum. Nur die Intensität seines Menschenhasses qualifiziert ihn dazu. Er stinkt schon als zarter Keimling wie ein verrottender Iltis (was häufig daran liegt, dass Iltisse bei seinem Anblick den nächsten Baum hochlaufen um sich vom höchsten Ast in die Tiefe zu stürzen). Der Geruch der ausgewachsenen Pflanze geht eher ins mülldeponieartige. Aus den Pollen hingegen lässt sich im Ganzkörper-Schutzanzug eine schmackhafte Suppe kochen. Spitzwegerich kann umstandslos umgetreten, verbrannt, geschändet und die Asche an einer Wegkreuzung vergraben werden - es dauert dann bis zu drei Tagen, bis er dort wieder in voller Blüte steht.

Die unerträgliche Weide

Verräterisch: Natürlich gewachsene Weiden haben oft die Form von Särgen oder kleinen Körbchen, die ihre Betrachter binnen Sekunden in den Wahnsinn treiben.

Verräterisch: Natürlich gewachsene Weiden haben oft die Form von Särgen oder kleinen Körbchen, die ihre Betrachter binnen Sekunden in den Wahnsinn treiben.

Foto: Matt Cardy/ Getty Images

Der Weide (auch "Vampirweide", "Einge-Weide", "Apokalpysbaum") verdankt die Menschheit wichtige Impulse: Stephen King soll mittelmäßige Liebesromane geschrieben haben, bis er zum ersten Mal einer Weide begegnete; Guido Westerwelle musste bekanntlich nach einer fehlgeschlagenen Anti-Weiden-Impfung seine Karriere als Oil-of-Olaz-Model abbrechen. Anders als bei anderen allergenen Bäumen ist die Weidenpollen-Abwehr eine verhältnismäßig simple Sache: Von Ende Februar bis Mitte Mai einfach gar nicht dran denken! Hatschi!!!