60.000 Euro Monatsgehalt Jeden Cent wert: Christa Schlecker!
Christa Schlecker (64, Foto von anno dazumal, aber noch gut)
Foto: [M] dapd/ SchleckerSchon frühmorgens stellte Christa ihrem Anton seinen unverzichtbaren Kaffee hin (Aufguss von letzter Woche, noch gut), stellte Halbpreissemmeln vom Bäcker um die Ecke bereit. In diesen romantischen Frühstücksminuten hatte Anton dann oft seine besten Ideen ("Wir müssen die Einkaufspreise senken!") - ("Weißrussland braucht noch Schleckermärkte!") - ("Wir könnten in allen Filialen ein paar Neonröhren rausdrehen!"), etc.
Sparen beim Busfahren
Zornige Schleckerkunden: Zu Tausenden soll Frau Schlecker bereits benutzte Fahrscheine ins Ausland weiterverkauft haben.
Foto: Altaf Qadri/ APAuf dem Weg zum Firmensitz war Christa es, die aussteigenden Buspassagieren ihre benutzten Fahrscheine abschwatzte. So konnten Anton und sie jeden Morgen bares Geld sparen - Geld, das für Antons Kontoführungsgebühren dringend benötigt wurde!
Frühe Erfindungen
Erfolgreiche Zweitverwertung: Christa Schleckers Kurzprosa "Mfg" wurde von den "Fantastischen Vier" sogar vertont.
Foto: Andreas Rentz/ Getty ImagesWas immer gerne vergessen wird: In ihrer Jugend war Christa württembergische Vizemeisterin in Schreibmaschine! 25.000 Anschläge pro Minute waren bei ihr keine Seltenheit, auch soll sie im Auftrag der Firma die Abkürzungen "Tsd.", "Mio." und "MfG" erfunden haben, deren Verwendung Unmengen an Papier und Farbbandtinte einsparen half.
Unermüdliche Schuhsuche
Wenig bekannt, aber wahr: Den islamischen Brauch des Schuhwerfens brachte Christa Schlecker nach Deutschland. Dadurch habe sie in jüngster Zeit so manches fehlende Pendant wiedergefunden.
Foto: dapdNachts ging Christa oft noch in den Keller des Schleckerschen Anwesens, um Schuhe zu sortieren: Bekanntlich hat Schleckervater Schlecker senior im Laufe seines Lebens eine beeindruckende Sammlung von einzelnen Schuhen zusammengetragen, deren Pendants in unterschiedlichen Größen aus den Schlecker-senior-Kaufhäusern weggekauft worden und die zum Wegwerfen viel zu schade waren: Nächtelang hat Christa in der Schuhsammlung Dienst geschoben und versucht, Paare zu finden: "Ich tat es für mich, nur aus Freude", sagt sie heute bescheiden.
Die Filialbesuche
Typischer Anblick: Schleckerfiliale nach Besuch von Christa Schlecker.
Foto: Hendrik Schmidt/ dpaEnorm hilfreich fürs Unternehmen waren auch Christa Schleckers legendäre Filialbesuche: Hier zeigte sie den Kassiererinnen, wie sich aus aufgesparten Resten von Kassen-Papierrollen noch tolle Aktionspreis-Plakate anfertigen lassen. Auch als Seelentrösterin war sie immer gern gesehen: "Wissen Sie", pflegte sie den Kassiererinnen zu sagen, "selbst ich bekomme von diesem Mann keine Gehaltserhöhung!"
Kontakt zu Mitarbeiterinnen
Christa Schlecker (Fuß, Abbildung ähnlich) unterhält sich mit Mitarbeiterinnen (Hände, Abbildung ähnlich)
Foto: dapdSo ist es auch kein Wunder, dass praktisch alle ehemaligen Mitarbeiterinnen nur Positives über Christa Schlecker zu sagen wissen: "Neben ihrem Mann wirkte sie nahezu menschlich." - "Ihre Frisur saß immer tadellos." - "Fußpilz ist mir bei ihr nie aufgefallen".
Fernsehgucken
Das Schleckersche Fernsehgerät: Lange Zeit war in der Familie unbekannt, wozu dieses merkwürdige Kabel mit Stecker eigentlich diente.
Foto: Frank Rumpenhorst/ dpaAuch weiß man heute, dass sie manchmal "Weltspiegel" schaute und den Notleidenden in der dritten Welt dabei von Herzen alles Gute wünschte - auch wenn Anton, um Strom zu sparen, den Fernseher nur einmal monatlich ans Stromnetz anschloss.
Zukunftsvisionen
Christas neue Geschäftsidee: wiederverwertbare Eiskugeln. Sobald die hauchdünne Eisschicht abgeschleckt ist, werfen die Leute sie achtlos weg und Christa kann sie wieder einsammeln.
Foto: Michael Bahlo/ dpaChrista Schlecker, eine gestandene Frau voller Begabungen und Talente. Was soll aus ihr werden? Kann Deutschland es sich leisten, jemanden wie sie in die Arbeitslosigkeit zu entlassen? Finanziell schon mal auf keinen Fall. "Ich würde gerne wieder ganz von vorne anfangen", sagt die vitale ca. 60-jährige mit einem Lächeln. "Als Eisverkäuferin durch die Nachbarschaft fahren. Und beim Kauf von mindestens fünf Kugeln gibt es einen tippi toppi Schuh gratis obendrauf!" Christa Schlecker lächelt. Frauen wie sie geben eben nie auf.