Satire bei Spiegel Online: Paketkasten der Post - DER SPIEGEL
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Kommentar Vorgartenplanung dank Kapitalismus

Der seit Mai erhältliche Paketkasten der Post bekommt Konkurrenz. GLS, DPD, Hermes und UPS planen eine eigene Box.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?
Es kommentiert: Erika Bochtler, Mutter von Jens-Karl Bochtler.

Es kommentiert: Erika Bochtler, Mutter von Jens-Karl Bochtler.

Foto: SPAM

In letzter Zeit wird ja viel über den Kapitalismus gemeckert. Aber: Hätten wir stattdessen hier den Sozialismus würde bald in jedem Vorgarten ein unendlich trister, total grauer Behälter stehen: der zentralstaatlich verordnete Paketkasten. Das sollte jeder Kapitalismuskritiker bedenken, bevor er jetzt reflexhaft aufstöhnt und sich weigert, ein Potpourri von Paketkästen in seinem Vorgarten aufzustellen und vielleicht noch einen Teil des Gehwegs dafür anzumieten. Die Freude an unserer schönen und vielfältigen Warenwelt scheint leider allgemein stark zurückgegangen zu sein. Dabei zeigt doch eine liebevolle Beschäftigung mit den unterschiedlichen Paketkästen recht schnell, dass auch Gegner von Paketkastenparks mit dem bunten Warenangebot prima zurechtkommen können. Da nämlich Post-Pakete ausschließlich in einen Post-Paketkasten gelegt werden, in welchem keinerlei Fremdpakete liegen, der Kasten der Konkurrenten dagegen - laut mutmaßlicher Auflage des Kartellamts - wohl für alle Paketdienste zu nutzen sein muss, kann man den Kasten der Post einfach in den der Konkurrenz reinstecken. Mit diesem Matrioschkaprinzip lassen sich im Prinzip unendlich viele Postkastenanbieter integrieren – vorausgesetzt es werden entsprechend große Kästen produziert. Da aber jeder Anbieter bemüht sein wird, dass sein Postkasten außen sichtbar ist, wird der Kapitalismus ganz automatisch immer mehr Kästen in immer gigantischerer Größe und Schönheit hervorbringen. Das Prinzip funktioniert ganz wunderbar! Nicht zuletzt natürlich auch für die Postkastenhersteller. Also: Nicht immer gleich rummeckern!