Satire SPAM Mut zum US-Einreise-Account - DER SPIEGEL
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Kommentar Mut zum US-Einreise-Account

Ein Aufschrei gellt durch die Medienlandschaft: Der US-Heimatschutz will Reisende künftig nach ihren Social-Media-Konten fragen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?
Es kommentiert unsere Kommentatorin Erika Bochtler

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Foto: SPAM

Da fragt sich doch: Muss man das jetzt sofort wieder schlechtreden? Es dient doch auch zu unserem Schutz! Wir sollten Dankbarkeit zeigen! Nur wie? Etwa indem wir dem guten Heimatschutz um die Ohren hauen, was wir tagaus, tagein im Internet Despektierliches über die Amis verbreiten? Nein, natürlich nicht! Allein schon die Höflichkeit gebietet, dass Reisende sich auf den gängigen Kanälen Facebook, Twitter, Snapchat etc. spezielle Einreise-Accounts anlegen, auf denen Land und Leute hoch gepriesen werden. Solche Accounts allerdings erfordern äußerstes Fingerspitzengefühl: Welche Leute hebt man heraus? Auf keinen Fall Namen, Postadressen, Hautfarbe, Frisurenstil, Geschecht oder gar Gewicht nennen. Besser ist es, möglichst allgemein zu bleiben. Aber selbst scheinbar harmlose Aussagen wie 'Ich liebe diese US-Amerikaner, sie sind immer so wahnsinnig nett' könnten, vor allem falls doch Trump Präsident wird, vom Heimatschutz als Verhöhnung verstanden werden - und zack wird man eingebuchtet. Also Vorsicht! Am besten outet man sich als fanatischer Fan der US-Flora und -Fauna, der gerne in seinem digitalen Freundeskreis über die großartigen US-Gräser und US-Gesteinsformationen diskutiert. Um aber nicht versehentlich als widriger Umweltaktivist und terroristischer Kapitalismuskritiker eingestuft zu werden, sollte man noch ergänzen, dass diese grandiose Natur natürlich erst durch gelegentliche, unvermeidbare Umweltkatastrophen zu ihrer wahren Größe findet. Wobei natürlich das auch wieder als Anschlagsdrohung aufgefasst werden könnte. Es ist wirklich schwierig.

Umso erfreulicher, dass Facebook bereits an einer KI basteln soll, die einen auf etwaige Unhöflichkeiten aufmerksam macht. Start-ups, die gegen Bezahlung Einreise-Accounts anlegen, befinden sich in Gründung. Wir werden sie dringend brauchen, wenn andere Länder nachziehen. Denn auch diesen gegenüber sollten wir entsprechende Höflichkeit zeigen. Das wirklich tolle aber ist, dass die Bösen und Irren dieser Welt, die schändliche Taten im Sinn haben, gar nicht auf die Idee kommen, sich höfliche Einreise-Accounts zuzulegen. Deshalb werden sie sofort geschnappt.