Kabarettist von der Bühne gejagt Er hatte Erdogan kein bisschen beleidigt!
Diese Kabarettisten hatten bereits 1961 nicht den Schneid, Erdogan zu beleidigen. Dabei waren sie sogar zu viert.
Foto: picture-alliance / dpaDer vielfach preisgekrönte Kabarettist stand mit seinem literaturparodistischen Erfolgsprogramm "Das schlägt dem Grass den Hoden aus" kaum fünf Minuten auf den Brettln, die (Achtung, Wortwitz!) die Welt bedeuteln, als das bislang eisig schweigende Publikum unruhig wurde.
Erst gab es den Zwischenruf "Wann kommt denn nun endlich was mit Erdogan?". Dann echote jemand: "Ja, genau, besorg's dem Kümmeltürken!". Schließlich wurden dem Kleinkünstler von allen Seiten lauthals Fäkal- und Genital-Injurien vorgeschlagen, mit denen er doch bitte den Präsidenten beleidigen solle.
Doch von Klemm ging nicht darauf ein. "Das war ein Fehler, klar", gestand er heute früh gegenüber SPAM. "Ich weiß nicht, was da mit mir los war. Aber so wird man den Ansprüchen an zeitgenössische Satire nicht gerecht."
Schließlich - mitten hinein in eine hintersinnige Martin-Mosebach-Persiflage - skandierte der ganze Saal: "Osmanenknecht!", "Feigling! Feigling!" und "Mimimi, mimimi!" Nach nicht mal einer halben Stunde verließ von Klemm fluchtartig und unter Tränen die Bühne. Was besonders demütigend war: "Hinterher sagte ein Beleuchter zu mir, ich sei schlapper als Dieter Hallervorden." Immerhin, ein kleiner Trost bleibt: "Wenigstens hat Springer-Chef Döpfner mich bis jetzt noch nicht gelobt."