Hamburger Nobelviertel solidarisch Harvestehude sagt Ja zum Steuerflüchtlingsheim!
Um die Akzeptanz bei den Nachbarn zu erhöhen, sollten Flüchtlingswohnheime zum lokalen Ambiente passen.
Foto: A2955 Wolfgang Kumm/ dpaDabei hatten es Bewohner des Nobelviertels gerade erst gerichtlich verbieten lassen, dass ein leerstehendes Verwaltungsgebäude zu einem Wohnheim für 220 Flüchtlinge umgebaut wird. Gegner des Projekts hielten es für unverantwortlich, Arm und Reich direkt nebeneinander - sogar mit Sichtkontakt - leben zu lassen.
Doch nun lenken die Harvestehuder überraschend ein: Sie sind bereit, mehrere Steuerflüchtlinge aufzunehmen. Dafür soll auf dem umstrittenen 3300 Quadratmeter großen Grundstück nun sogar ein kompletter repräsentativer Neubau im ortsüblichen Stil möglich sein - für zwei bis drei Personen, die in ihren Heimatländern aus fiskalischen Gründen verfolgt werden.
Anlageberater Jobst W. wohnt nur zwei Straßen weiter. Er erklärt den Sinneswandel: "Der Ruf Hamburgs als weltoffene Metropole steht auf dem Spiel. Auch wir Leistungsträger stehen für Werte wie Toleranz und Solidarität. Unsere Zivilgesellschaft ist stark genug, diese Menschen zu integrieren."
Sein Nachbar Ludger S. macht indes darauf aufmerksam, dass viele Steuerflüchtlinge bis jetzt gar nicht die Chance bekommen, sich in Deutschland niederzulassen: "Der Staat sollte sich diesen Hilfebedürftigen öffnen und ihnen ein Leben in Freiheit und Würde ermöglichen. Wir dürfen uns nicht durch eine Mauer aus Abgaben von ihrem Elend abschotten, sondern müssen faire Fluchtanreize setzen. Um es klar zu sagen: Der Spitzensteuersatz muss endlich runter auf drei Prozent."