Weil sie Genscher nicht ausreden ließen: Tausenden DDR-Flüchtlingen droht Abschiebung in den Osten
Ossis, aufgepasst: Beim nächsten Mal dem Mann mit den Ohren unbedingt bis zum Schluss zuhören!
Foto: Ralf Hirschberger/ dpaDenn als der Bundesaußenminister auf den legendären Balkon getreten war, wurde er schon nach: "Wir sind heute zu Ihnen gekommen, um Ihnen mitzuteilen, dass heute Ihre Ausreise…" von einer jubelnden Menge übertönt.
Niemand verstand deshalb, dass der Satz mit den - von Hans-Dietrich Genscher soeben gegenüber SPAM erstmals beglaubigten - Worten endete: "…leider von den Ostberliner Behörden abgelehnt wurde. Schade. Wär' schön gewesen." Genscher heute: "Na, wie denn sonst! Es war doch nicht ernsthaft damit zu rechnen, dass das SED-Regime seine Insassen einfach so gehen lassen würde."
Innenpolitiker und Juristen sind sich einig: Infolge dieses Missverständnisses halten sich die Flüchtlinge seit einem Vierteljahrhundert widerrechtlich in Deutschland auf. Da aber inzwischen auch das Gebiet der früheren DDR zur Bundesrepublik gehört, können sie nun auch nicht mehr nach Dresden, Güstrow oder Limbach-Oberfrohna zurück.
Deutsche Diplomaten arbeiten fieberhaft an einer humanitären Lösung: Die Betroffenen sollen in ein Land abgeschoben werden, das ihrem Herkunftsstaat so ähnlich wie nur möglich ist.
Russland ist wegen der EU-Sanktionen verärgert und lehnt den Import früherer DDR-Bürger ab. Die Verhandlungen mit Nordkorea dagegen sind weit gediehen. - Kerstin M. (58) aus Köln (davor Merseburg) sagt tapfer lächelnd: "Ich werde wohl eine neue Sprache lernen müssen. Und kriege ich dort überhaupt eine Rente?" Die Weltgeschichte, sie kennt kein Pardon.