"Eigentlich ein Schmusekater" Akif Pirinçci leidet am Tourette-Syndrom
Schonraum Theaterplatz.
Foto: Sean Gallup/ Getty ImagesDer Autor der reizenden "Felidae"-Romane um den verkaterten Detektiv Francis fällt seit einigen Jahren nur noch mit unputzigen Gereiztheiten auf. Politiker nennt er "Gauleiter", die Grünen eine "Kinderfickerpartei" und Deutschland eine "Moslemmüllhalde".
Manch Fan hat sich deshalb von Pirinçci abgewandt. Zu Unrecht. Denn hinter den anfallsartig wiederkehrenden Injurien verbirgt sich eine Tragödie: Der Schriftsteller leidet am Tourette-Syndrom, einer heimtückischen Erkrankung des Nervensystems.
Betroffene neigen laut Wikipedia unter anderem zu ungewollten, jäh "einschießenden" verbalen Äußerungen. Die meisten zögen sich nach Möglichkeit "in einen Schonraum zurück, um ihren Symptomen freien Lauf zu lassen".
Und hier beginnt die gute Nachricht: Akif Pirinçci hat nach langer Suche endlich seinen Schonraum gefunden: den Dresdner Theaterplatz. Dort traf er gestern auf viele Leidensgefährten. Sie kommen immer montags als Selbsthilfegruppe zusammen, um aufgestaute sogenannte Tics gemeinsam abbauen und all das herauslassen zu können, wofür sie sich in einer "normalen" Umgebung schämen müssten.
Mit dieser Enthüllung wollen die verbliebenen Freunde des Autors dafür sorgen, dass nicht noch mehr Leser die Geduld mit ihm verlieren. Eine Vertraute: "Der Akif ist normalerweise ein ganz Sanfter, so kuschelig wie eine Schmusekatze. Was er jetzt braucht, sind nicht Ablehnung oder gar Strafverfolgung, sondern ganz viel Liebe."
Akif! Bleib tapfer! Wir stehen zu dir!