Die große Analyse Quo vadis, Mittwochslotto?
Erst blieben neulich zwei Kugeln in der Glücksmaschine stecken. Dann wurde die frei gewählte Zusatzzahl verboten. Und nun sollen plötzlich die Gewinnzahlen nicht mehr live im Fernsehen beziehungsweise dafür irgendwie anders ermittelt werden.
Demnächst noch neuer
Durch - im Ausland abgeguckte - farbige Kugeln soll die Attraktivität der Ziehungen noch größer werden
Foto: Franz-Peter Tschauner/ dpaOffiziell berufen sich ARD und ZDF auf "veränderte Sehgewohnheiten". Das heißt, das Soap-erfahrene Stammpublikum reagiert zunehmend gelangweilt, weil sich "nach so vielen Folgen" immer noch keine Romanze zwischen der unerfahrenen 16 und der rundlichen 37 anbahnen will.
Kompetenzverlagerung
Nachteil der neuen Regelung: Auf ohnehin überlastete Parlamentarier kommen weitere Aufgaben zu
Foto: Patrick Seeger/ picture alliance / dpa
Der wahre Grund ist jedoch eine neue EU-Richtlinie gegen Spielsucht. Gerade Lotto steht bei Verbraucherschützern schon lange im Verdacht, nur aus purem Gewinnstreben praktiziert zu werden und dabei dem Zufall Tür und Tor zu öffnen. Deshalb werden die Gewinnzahlen ab September von einer Expertenkommission in Brüssel erarbeitet und sind dann von den EU-Ministerpräsidenten einstimmig zu ratifizieren. Ein Grünen-Gesundheitspolitiker: "Großartig. Damit ist dieses gefährliche Massenglücksspiel praktisch erledigt."
Mehr Gerechtigkeit wagen
Die Zulassung der Kreiszahl Pi als Lottozahl scheiterte bislang an den winzigen Ankreuzkästchedn
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Ein maßgeblicher TV-Mann widerspricht: "Wir sind mit dieser Lösung nicht ganz glücklich. Zum einen hätten wir eine größere mediale Aufmerksamkeit, wenn man die Gewinnzahlen auch mal vom Münchner Oberlandesgericht auslosen ließe. Aber wenn die Zahlen schon ausdiskutiert werden müssen, warum nicht bei Günther Jauch oder Maybrit Illner?" Eine Pilotsendung mit Hans-Olaf Henkel und Sigmar Gabriel sei längst vorbereitet. Thema: "Schon wieder die 19! Warum lassen sich Primzahlen nur durch eins und sich selbst dividieren? Ist das die neue Teilungsgerechtigkeit?"
Ran an die Jugend!
Das Bachelor-Studium "Lottofee" soll nun auch von der Fernuni Hagen angeboten werden
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Dennoch wird es weiterhin Lotto-Feen geben: Denn die öffentlich-rechtlichen Sender planen einen neuen digitalen Spartenkanal. Dort werden die spannendsten Ziehungen aus den 60ern, 70ern und 80ern in voller Länge wiederholt. Zuschauer können ihre Lieblingszahlen an eine 40köpfige Online-Redaktion twittern. Ein ZDF-Sprecher: "Dadurch kommen wir endlich an die jüngere Zielgruppe heran."
Eine Chance für Deutschland
Die 24 löst bei den Zuschauern auffällig unterschiedliche Reaktionen aus
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Parallel laufen Bemühungen, Lotto demokratisch zu legitimieren. In einer großen Samstagabendshow sollen sich alle 49 kandidierenden Zahlen präsentieren und die Zuschauer für sich begeistern können. ARD-Unterhaltungschef Schreiber: "Die Entscheidung läuft per Tele-Voting - also wie gerade beim European Song Contest, nur dass negativ eingestellte, also andere Länder nicht mitstimmen dürfen und eine deutsche Nummer am Ende verdientermaßen gewinnt."
Alternativen
"...hat sich vor der Sendung vom ordnungsgemäßen Zustand des Ziehungsgeräts überzeugt."
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Die "Ziehung" im klassischen Sinne hat sich damit nicht erledigt. Sie erfolgt einstweilen beim Programmdirektor. Die notariell beglaubigte Reihenfolge lautet: Dom Perignon, Caipirinha, eisgekühlter Bommerlunder. Die Teilnehmer sind gehalten, ihre "Ausschüttungen" anschließend nicht auf dem Teppich des Gastgebers vorzunehmen.