Satire@Spiegel Online: Til-Schweiger-Tatort - DER SPIEGEL
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Til-Tatort Nicht verpassen: Sonntag ist Revolution!

Die Republik vibriert. Es sind nur noch Stunden bis zum ersten "Tatort" mit Til Schweiger.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Der sympathische Hauptdarsteller beschreibt den Erstling so: "Drei Tote in den ersten Minuten, das ist eine Revolution. Ich als Zuschauer will so etwas sehen." Am Sonntagabend werden demnach Maßstäbe in Sachen Opferbereitschaft und TV-Tauglichkeit gesetzt, an denen sich bisherige Revolutionen messen lassen müssen - und zwar von SPAM:

Oktoberrevolution 1917 (Russland)

Panzerkreuzer "Aurora" (Abb. ähnl.) - Revolutionsauftakt per Platzpatrone

Panzerkreuzer "Aurora" (Abb. ähnl.) - Revolutionsauftakt per Platzpatrone

Foto: Bodo Marks/ dpa

Während der ersten Minuten, beim Sturm auf das Winterpalais, gibt es keine einzige Leiche. Der Panzerkreuzer "Aurora" schießt nur einmal, mit einer Platzpatrone - also ohne mindestens drei Leuten zünftig das Hirn rauszublasen. Der Zarenfamilie wird erst ein halbes Jahr später das Licht ausgepustet, und das auch nur heimlich. Mit der Zeit kommen dann zwar noch ansehnliche Massaker, aber da haben die Zuschauer natürlich längst weggezappt. Solch eine Revolution widerspricht Til Schweigers Sehgewohnheiten und wird vom Fernsehen nicht mehr wiederholt.

Kulturrevolution 1966 - 1976 (China)

Reine Spekulation: Hätte Schweiger unter Mao (2. v. vorn) in der Stadt bleiben dürfen?

Reine Spekulation: Hätte Schweiger unter Mao (2. v. vorn) in der Stadt bleiben dürfen?

Foto: Lintao Zhang/ Getty Images


Aufwendiges Langzeitprojekt mit Massen von Leichen, aber ohne vernünftige Spannungskurve. Alles andere als ein Popcorn-Thriller, da inhaltlich total überfrachtet. Allerdings gibt es mittendrin eine interessante Idee: Intellektuelle werden von der Stadt aufs Land deportiert und müssen fortan so tun, als hätten sie die gedankliche Tiefe von Til Schweiger.









Friedliche Revolution 1989 (DDR)

Bürgerrechtler Werner Schulz: "Das mit den Bärten an den runden Tischen ist Quatsch, unrasiert reichte"

Bürgerrechtler Werner Schulz: "Das mit den Bärten an den runden Tischen ist Quatsch, unrasiert reichte"

Foto: Uli Deck/ picture-alliance/ dpa/dpaweb

Eigenwilliger Plot: Die Protagonisten sitzen an runden Tischen, reden sich die Bärte fusselig und spielen zum Schluss auf einmal keine Rolle mehr, weil ein dicker Mann sich einfach auf sie draufgesetzt hat. So aktionsgeladen wie eine Doku von Alexander Kluge. Als Bösewichte tauchen immer wieder Ex-Stasis auf. Halbherzig und langweilig. Til Schweiger hätte alle in den ersten Minuten umgenietet.

Orangene Revolution 2004 (Ukraine)

Revolutionärin Timoschenko kann von Kommissar Schweiger wg. diverser Verpflichtungen derzeit nicht befreit werden

Revolutionärin Timoschenko kann von Kommissar Schweiger wg. diverser Verpflichtungen derzeit nicht befreit werden

Foto: Grigoriy Vasilenko/ dpa

Verschleppte Handlung. Kaum Blut. Aber wenigstens in 3D und Farbe (orange). Trotzdem mehrere Fortsetzungen. Dramaturgischer Tiefpunkt: Eine triste Orthopäden-Schmonzette um Julia Timoschenkos Bandscheibe. Til Schweiger würde die tapfere Mafia-Braut in den ersten Minuten aus dem Kerker ballern.

"Tatort: Willkommen in Hamburg" 2013 (ARD)

Typisch: Die sensiblen Seiten des Hamburger Kommissars werden von den Medien gern verschwiegen

Typisch: Die sensiblen Seiten des Hamburger Kommissars werden von den Medien gern verschwiegen

Foto: Florian Seefried/ Getty Images

Alles ist wahr! Drei Tote in den ersten Minuten. In echt! Und dann immer weiter: Tschong!!! Booommm!!! Krawitter!!!!! Das will man sehen, das muss man gesehen haben. Kleiner Wermutstropfen: Til Schweigers Kommissar überlebt die ersten und alle weiteren Minuten.