Das könnte Sie interessieren... Klaus Ungerer macht Grlwow
Erkälteter SPAM-Redakteur (Abb. ähnl.)
Foto: Larry W. Smith / dpaDa er sonst die weitere Mitarbeit verweigert und uns überhaupt massiv anzuniesen droht, haben wir uns entschieden, einen Auszug aus seinem jüngst als Ebook erschienenen "Grlwow - Kurzdrama für zwei Prominente" ins Netz zu stellen. Man braucht es hier also nicht ganz zu lesen, und das auch noch umsonst! Ein doppelter Vorteil, wie wir finden. Angeblich geht es um zwei namenlose TV-Promis, die sich gegenseitig mit anrührenden Geschichten zu übertrumpfen versuchen...
(Ein kleines Fernsehstudio. Nacht. Zwei Stühle, zwei Personen. Die Frau linst mit zugekniffenen Augen auf einen mitgeführten Schminkspiegel, der Mann klopft sich fragend aufs Ohr. Ein rotes Lämpchen leuchtet auf. Sie sieht es zuerst.)
Können wir dann?
Ähem. Ich hab mal...
Fängst du einfach schon an?
Ich hab mal ...
Moment noch! Jetzt. Nein, jetzt.
Ähem.
Also?
Also, mein Vater hat im Krieg beide Arme verloren. Auffahrunfall mit dem Panzerspähwagen. Sechsrädrig, kleines Kaliber. Vorfahrt genommen. Mitten in Grlwow.
Schrecklich! Meine Mutter hat in der Bombennacht von Koblenz ihr Gehör verloren. Rechts und links krachten die Bomben runter, es war grauenvoll. Ich selber habe heute noch einen sehr leichten Schlaf.
Also, ich habe immer sehr unter meiner emotionsarmen Erziehung gelitten. Gefühle waren für meinen Vater kein Thema. Ich habe alles versucht, um unsere Beziehung zu emotionalisieren. Ich habe gesoffen, habe Schulden gemacht, habe mich von meiner ersten Frau regelmäßig zusammenschlagen lassen. Es hat alles nichts genutzt. Mein Vater lebte in seiner eigenen Welt.
Wir waren dann ausgebombt, meine Mutter ist aufs Land zu Verwandten. Die waren nicht gerade erbaut, als sie da ankam. Sie durfte nicht einmal die Toilette benutzen. Sie musste dazu immer in die Scheune gehen. Eines Nachts fiel dann eine Bombe, wie aus dem Nichts, man hatte noch nicht mal ein Flugzeug gehört. Die fiel genau auf den Hof. Und meine Mutter kam von der Scheune wieder und da war nur noch Schutt. Alles qualmte. Die Kühe schrien. Die Hühner flatterten brennend umher. Da ist meine Mutter auf dem Fleck niedergekniet und hat ein Schweigegelübde abgelegt.
Er war so engstirnig. Auf die Polen war er bis zuletzt ganz schlecht zu sprechen. Wie oft habe ich ihm zugeredet, habe gesagt: Hätte die Wehrmacht euch ein neueres Modell gegeben, achträdrig, Sturmgeschütz KwK L/24, 7,5 cm, dann hätte der andere sich auch mehr vorgesehen. Aber da drang man nicht durch, er war vollkommen irrational. Er ist ja später noch dreimal schwer verwundet worden, ein Bein weg, das halbe Gesicht weg, Durchschuss rechte Herzkammer. Ich habe oft gedacht, ob ihn das vielleicht irgendwie traumatisiert hat.
Kennst du das Lied "Guten Abend, gute Nacht"? Darin heißt es sinngemäß: "Morgen früh, wenn Gott will, wirst du wieder geweckt." Mir hat dieser Text als Kind furchtbare Angst gemacht. Ich hatte Angst vor dem Einschlafen, vor Dunkelheit, vor dem Tod, Angst vor dem Tagesschausprecher.
Werner Veigel?
Nein, der andere, dieser...
Dings...
Na...
Ich weiß, ich weiß.
Nicht sagen.
(Anm. d. Red.: Und immer so weiter. Wird Zeit, dass der Frühling kommt.)