Kommentar Tschüs, Lübeck!
Es kommentiert unser Kommentator Jens-Karl Bochtler.
Foto: SPAMDer Grund: Wasser. In anderen Weltregionen ersehnt und umkämpft, wird es ausgerechnet in Küstenregionen verteufelt. Da kann man wieder sehen, was der Überfluss aus den Menschen macht. Dabei seien wir doch mal ehrlich: Lübeck, wer braucht das schon? Mittelalterliche, schiefe, halb baufällige Häuser? Liefert der Chinese nicht längst schon viel günstigeres Marzipan? Wann ist von Thomas Mann zuletzt etwas Vernünftiges gekommen? Fakt ist doch: Die Hamburger werden es nicht mehr so weit zum nächsten Strand haben, zigtausende Autokilometer fallen weg, der Umwelt kommt das zugute. Das senkt dann auch wieder den Meeresspiegel. Ein Nullsummenspiel. Trotzdem jammern die stockkonservativen Lübecker! Weil ihr Altstadthäuschen dann halt mal renoviert werden muss. Na und, sagen wir. Alle Sehenswürdigkeiten werden zu einem großen Teil noch attraktiv aus dem Wasser ragen und per Bootstour ab Pinneberg zugänglich sein. An die Kirchtürme lassen sich Offshore-Windräder montieren. Durch die Zierlöcher in der Rathausmauer hüpfen fröhlich die Delfine. Schleswig-Holstein kann mangels Existenz keine Gelder mehr aus dem Länderfinanzausgleich zapfen. Nein, wer den Untergang eines überalterten Städtchens beweint, dem fehlt die Perspektive aufs große Ganze. Gewiss wird es hart, renommierte Küstenländer wie Dänemark, Holland oder Italien versinken zu sehen. Aber sehen wir den Tatsachen ins Gesicht: Wenn wir endlich wieder Weltmeister werden wollen, können wir auf Sentimentalitäten keine Rücksicht nehmen.