Orbáns Vision Land ohne Leute
Ungarn: So schön kann es ohne Leute sein.
Foto: Zsolt Czegledi/ dpaUnd damit meine er gar nicht in erster Linie Flüchtlinge. "Denn auch immer mehr Ungarn wollen ja Gott bzw. Orbán sei Dank nicht mehr in Ungarn bleiben", rief Orbán euphorisch bei einer kleinen Verlautbarung in der SPAM-Redaktion aus und warf eine offizielle EU-Statistik auf die Schreibtische. Tatsächlich: Von Mitte 2010 bis Anfang 2013 verließen 350.000 Ungarn das Land, um sich in Deutschland, Österreich und Großbritannien anzusiedeln. Tendenz steigend. "Die meisten von denen sind jung und hochqualifiziert, würden mich also sowieso nicht wählen", so Orbán höchst zufrieden. "Gut, dass die als Erste verschwinden." Bevor er in die Politik gegangen sei, habe er lange nachgedacht und festgestellt: "Das Problem sind oft Leute." Leute stören immer wieder, wählen einen nicht, protestieren selbst gegen die vernünftigsten Gesetze zu Internetsteuern oder so, nerven rum, essen die ganze leckere Paprika auf, füttern ohne Weisung von oben Durchreisende an, und so weiter und so fort. "Was soll das?", so Orbán kopfschüttelnd. Ein Land ohne Leute dagegen sei ruhig, schön und friedlich, da könne man endlich vernünftig durchregieren. Und vor allem: "Es kommt dann auch keiner mehr, der diese Ruhe stört." Das sei der Plan. Gut, es könne natürlich schon sein, dass es ihm irgendwann dann als letztem Ungarn in Ungarn doch zu ruhig werde, gibt Orbán zu. Vor allem wenn sich dann keiner mehr über ihn aufrege. Aber dann lasse er sich halt woanders nieder. Deutschland soll ganz attraktiv sein, habe er gehört.