Kommentar Freiheit für Rummenigge!
Es kommentiert: Unser Kommentator Jens-Karl Bochtler
Foto: SPAMDas ist gemein. Das ist hinterhältig. Ein jeder prüfe sein Gewissen: Wer von uns hat denn jemals, aus Katar kommend, mit zwei von einem Freund geschenkt bekommenen Luxusuhren im Wert von geschätzten 30 Millionen Euro (grobe Schätzung, jedenfalls auf keinen Fall mehr als 40 Millionen), wer von uns hat jemals, voll seliger Erinnerungen an herrliche, am Golf von Katar im Kreise guter Freunde (mit schönen Armbanduhren) verbrachte Stunden, ein fröhliches Lied im Herzen summend, an der Zollabfertigung in Augsburg den Durchgang "Waren zu verzollen" aufgesucht? Karl-Heinz Rummenigge, Vorstandsvorsitzender des deutschen Fußball-Rekordmeisters FC Bayern München, zog es in dieser menschlich so nachvollziehbaren Situation leichten Herzens zum Durchgang "Nichts zu verzollen" - nur um von einem überkandidelten, von Neid zerfressenen Uniformträger (Sechz'ger-Fan vermutlich) zum Öffnen seines Koffers aufgefordert zu werden. Und, auf diese Weise in eine kompromittierende Lage gebracht, hat Rummenigge (45 Tore in 95 Länderspielen für Deutschland) nur gesagt, was wohl dem gesunden Empfinden eines jeden entspricht: Er habe nicht gewusst, dass man Geschenke zu verzollen habe. Und wo kämen wir da auch hin! Die von einem Kind überreichte Muschel vom Adriagestade, der Tonkrug vom dänischen Bauernhof, der Lippenstiftabdruck am Hemdkragen aus Thailand - sollten wir für all das im Nachhinein bezahlen müssen? Würden unsere katarischen Freunde, wenn sie uns Luxusuhren zustecken, das wollen? Wie stehen wir jetzt da vor einem angesehenen Fußball-Land, das ja nicht zufällig als WM-Ausrichter 2022 fungiert? In Zukunft, so viel steht fest, müssen Rummenigge und andere Fußballfunktionäre zusätzlich zu den Uhren auch noch Bargeld erhalten, damit ihre Zoll-Auslagen gedeckt sind. So weit ist es nun also schon gekommen!