Klopp vs. Sammer Ethikdiskurs noch nicht am Ende
Sammer (von Klopp aus gesehen)
Foto: JIM BOURG/ REUTERSWorüber es in dem leidenschaftlich geführten Diskurs zweier führender deutscher Köpfe ging, wird dabei erst nach und nach bekannt. "Herr Sammer meinte in der 65. Minute unvermittelt zum DFB-Offiziellen, dass, seiner Meinung nach, Gerechtigkeit - im Sinne einer Gleichheitsbehandlung - eine Grundvoraussetzung einer Philosophie der Ethik sei, von der abzuweichen für jeden exekutiv Befassten einen nahezu unauflösbaren Identitätskonflikt mit sich brächte", so Jürgen Klopp am Montag gegenüber dem "Kicker". "Ich sah mich daraufhin genötigt, etwas differenziert auf diese Position einzugehen: Gleichheit in einer Hinsicht, wand ich ein, bedeute oft Ungleichheit in anderen Hinsichten. Und ob der totale Egalitarismus, ob nun bei Marxisten oder Marktliberalen, bei Kommunitaristen oder Utilitaristen, nicht doch immer wieder auf grundlegende konzeptuelle Schwierigkeiten stoße?" Sammer, so Beobachter, dem es im Auditorium entschieden zu laut gewesen sei, habe Klopp seinerseits nun zu bedenken gegeben, dass, wiewohl man doch immer wieder an die Grenzen der praktischen Umsetzbarkeit von Philosophie stoße, dennoch der klare, reine Grundgedanke stets im Zentrum allen Strebens und Handelns zu stehen habe. Klopp habe daraufhin unter Hinzuziehung des DFB-Offiziellen als "zumindest nominell überparteiische Instanz" darauf gedrungen festzuhalten: Unbedingt und für alle Zeiten bestreite er, dass Gleichheit zwingend begrifflich zur sogenannten Gerechtigkeit gehöre, und wenn nun gewisse Stimmen aus München ihn als Antiegalitaristen hinstellen wollten, so Klopp, so entgegne er diesen Einwürfen: Die seien ihm durchaus und mit aller Inbrunst: egal. Matthias Sammers nachfolgende Replik und der weitere Verlauf der Debatte sind noch nicht ins Licht der interessierten Öffentlichkeit gedrungen, dürften aber demnächst bei Beckmann intensiv aufgedröselt werden.