SPAM Satire Sensationsjournalismus - DER SPIEGEL
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Pfui, Sensationsjournalismus Wir schwören ab!

Auswüchse des Journalismus haben stattgefunden.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?
Aufgrund einer internen Selbstverpflichtung werden wir hier statt hässlicher, unsympathischer, dümmlicher Promis nur noch total nette, super süße Hunde abbilden, denen es gut geht und die im Laufe der Aufnahmen nicht zu Schaden kamen.

Aufgrund einer internen Selbstverpflichtung werden wir hier statt hässlicher, unsympathischer, dümmlicher Promis nur noch total nette, super süße Hunde abbilden, denen es gut geht und die im Laufe der Aufnahmen nicht zu Schaden kamen.

Foto: Robert Schlesinger/ dpa

Namen sind genannt worden, sehr, sehr langweilige Namen. Fotos sind veröffentlicht worden, von wirklich hässlichen, dümmlichen, abstoßenden Leuten. Details aus den Leben von gruselig uninteressantem Promivolk sind rauf- und runtergekaut worden, eklige Krankheiten, peinliche Lebenspartner und bizarre Haushaltsunfälle dieser Menschen sind gnadenlos benannt und erläutert worden, man hat die Medien-Kunden gelangweilt mit Fotos von Kindergeburtstagen von Nannies von Leuten, die mal mit jemand zusammen geschauspielert haben, von dem man nicht mal mehr die erste öffentliche Sexpartnerin weiß... Es war widerlich. Es war unerträglich. Und: Ja, wir haben (notgedrungen!) mitgemacht. Zutiefst betroffen und in Scham versunken geloben wir von SPAM daher: Nie, niemals mehr werden wir da mitmachen. Niemals werden wir die Namen nennen etwa von diesem einen Autofahrer; ja, nicht mal, dass er Autofahrer ist oder war, werden wir eindeutig nachweisbar behaupten, ihm stattdessen ein bescheidenes Dasein als Ex-MDR-Talkshowgast und Bananencreme-Model andichten, werden aus dem jüngsten Schicksalsschlag, der ihn ereilte, eine Schulterverrenkung machen, aus dem internationalen Medienaufgebot vor dem Krankenhaus, in dem seine Schulter vermutet wird, eine ganz normale Brandschutzübung, und versichern Ihnen, liebe Leser: Es geht der Schulter vielleicht noch nicht spürbar besser, möglicherweise aber auch nicht schlechter, doch die Schulter, so viel kann man sagen, sie lebt! Und mit diesem schönen Gedanken wollen wir in den Tag schreiten, dem Bananenmodel, aber nicht nur ihm, sondern all unseren Freunden, Feinden, Verwandten und Bekannten gute Besserung wünschen und überhaupt alles Wohlergehen dieser Welt! So vieles kann so schnell vorbei sein, ehe es richtig begann, dieser Text zum Beispiel.