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SED-Joch droht Thüringer panisch

Die Menschen in Thüringen haben Angst.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?
Christliche Glaubenspraxis ist oft nur Eingeweihten verständlich.

Christliche Glaubenspraxis ist oft nur Eingeweihten verständlich.

Foto: Peter Endig/ dpa

Angst, dass ihr schönes Land von einem Vertreter der Linkspartei regiert werden könnte. Immer mehr Menschen sagen: Wie soll ich das verkraften? Nüchtern-demokratisches Denken weicht wüsten Angstfantasien: "Heute Nacht habe ich geträumt", so die sympathische Frührentnerin Doreen Z. aus Gotzschloch-Buna, "dass alles noch schlimmer kommt: Erst wurde dieser SED-Mann hier zum Ministerpräsidenten gesalbt. Dann flog eine gigantische schwarze Katze durch meinen Traum. Und als Nächstes wählte Deutschland einen Prediger einer archaischen Glaubensgemeinschaft zum Staatsoberhaupt!" Mathilda Z., so ihr richtiger Name ("Doreen" hat sie sich nur genannt, um in Ostdeutschland unterm Terrorregime nicht anzuecken) zittert, sie weint. "Es war unfassbar! Plötzlich war er da, von Leuten gewählt, die niemand kennt, die irgendwo in Berlin sitzen: Und nichts qualifizierte ihn zum Demokraten! Er war ein Priester!" Mathilda Z. wischt sich ein paar Tränen aus dem Gesicht: "Er sagte, er sei 'Christ'." Christen! Das hört man nicht zum ersten Mal: Eine berüchtigte Großsekte, die aus dem vorderasiatischen Raum stammt. Wer sich ihren Lehren unterwirft, ist für die Demokratie verloren: Die gesamte Welt, glauben die Christen, verdanke sich der Privatinitiative eines egomanen Patriarchen. Ihm müsse man für sein Leben und sein Wohlergehen danken - selbst wenn es einem dreckig gehe. Auf ihn könne man "all seine Sorgen werfen" - statt bestehende Verhältnisse zu reformieren. Als sein eigener Sohn verkleidet, ist dieser Religionsstifter beim unbefugten Reiten eines Esels beobachtet worden sowie bei unangemeldeter Nutzung des israelischen Luftraums, mit dubiosen Mitteln soll er auch ein Fisch- und Brotmonopol errichtet haben. Christen haben eine blutige Terrorherrschaft über alle Kontinente der Erde ausgebreitet, sie haben die Menschheit mit Latein gefoltert, mit Glockenlärm an freien Tagen. "Und plötzlich war einer von denen der erste Mann in Deutschland... Es kam mir so real vor!" Mathilda Z. ist sichtlich erschüttert. Sie wendet sich ab. Ihr die ganze Wahrheit zu sagen, bringen wir nicht übers Herz.