ASTRONOMIE Ötzi des Sonnensystems
Am Spätnachmittag des 18. Januar 2000 drang ein 200 Tonnen
schwerer Meteorit in die Erdatmosphäre ein. Er zerbarst in
einem grellen Feuerball über dem Nordwesten Kanadas in
Tausende Stückchen; Spähsatelliten der US-Streitkräfte
registrierten den Eindringling aus der Tiefe des Raums.
Eine Woche später fand ein Kanadier namens Jim Brook auf
dem zugefrorenen Tagish Lake erste Trümmer des Meteoriten.
Etwa ein Kilogramm davon sammelte er auf, verpackte die
vereisten Fundstücke mit äußerster Vorsicht in Plastiktüten
und legte sie zu Hause sofort in den Gefrierschrank, bevor
er sie Wissenschaftlern überließ. Dies sei eine "noch nie
da gewesene Reihe glücklicher Umstände", so schreibt jetzt
ein US-Geologe im Wissenschaftsblatt "Science". Denn das
von Brook gefundene Material erwies sich als ganz besonders
alt. Es stammt aus der Entstehungszeit des Sonnensystems
und gleicht damit einer Art Ötzi der Planetenkundler. 4,56
Milliarden Jahre lang driftete der Meteorit auf einer
Asteroiden-Bahn und blieb dabei weitgehend im originalen
Zustand. Die Steine, die stark nach Schwefel riechen,
werden bald zahlreiche Geheimnisse preisgeben: Zum Beispiel
lassen sich anhand ihrer Zusammensetzung erstmals genaue
Rückschlüsse auf die Häufigkeit verschiedener Elemente im
Sonnensystem
ziehen.