Mit einer Hand am Geländer
Seine erste Aktie bekam er mit 16 vom Großvater geschenkt: einen Anteilschein von BMW, damals rund 440 Mark wert. Das war 1985 der Börsenrausch in Deutschland war noch längst nicht ausgebrochen. Seitdem interessiert sich Lars Wittenberg, 31, für Ökonomie.
Den BMW-Schein verkaufte der Pennäler damals vorschnell und erwarb dafür einige "Schrottpapiere". Inzwischen geht er auf Nummer Sicher: Bei privaten Investitionen hat er immer "lieber eine Hand am Geländer".
Als Tochter Paula vor neun Monaten geboren wurde und Großvater Wittenberg die finanzielle Zukunft der Enkelin gern mit hippen Internet-Werten absichern wollte, entschied sich Lars Wittenberg für die weniger riskante Variante: 100 Mark im Monat werden in einen Aktien-Mix der Deutschen Bank gesteckt, die "Top 50 Europa".
Das Institut ist ihm vertraut. Der Abiturient aus Neustadt an der Weinstraße machte in der Ludwigshafener Niederlassung eine Lehre als Bankkaufmann und studierte dann an der Uni Mannheim Betriebswirtschaft; Wahlpflichtfach Steuerrecht.
Die Großuniversität Mannheim überstand Wittenberg gemeinsam mit drei Freunden. Die flotte Truppe ("Als Einzelkämpfer kommt man da nicht gut durch") nahm das Studium mehr von der praktischen Seite. Das BWL-Quartett diskutierte nicht nur Inhalte ebenso wichtig war es auch, sich gegenseitig Sitzplätze im Hörsaal freizuhalten. Außerdem wollten die vier "viel Spaß haben" und ließen "keine Fete aus".
Einen Blick für ökonomische Verwertung hatte Wittenberg schon als Student. Seine Diplomarbeit schrieb er über die Bedeutung von Informationstechnologien beim Vertrieb von Audio- und Videokassetten. Außendienstmitarbeiter sollten per Laptop, Drucker und Modem Kundenwünsche schneller realisieren können.
Der Chemiekonzern BASF finanzierte ihm die Arbeit mit einem monatlichen Zuschuss von mehr als 1000 Mark. Nach acht Semestern war Wittenberg Diplomkaufmann, legte eine Prüfung zum Steuerberater ab und ging in die Frankfurter Zentrale der Deutschen Bank.
Dort wurde er prompt mit dem spektakulärsten Wirtschaftskrimi der letzten Jahrzehnte konfrontiert: der Schneider-Pleite. Als Steuerspezialist durfte er bei der Abwicklung des Flops mitwirken.
Seit August arbeitet "Weiterbildungsjunkie" Wittenberg für "Clifford Chance Pünder", eine der weltweit größten Anwaltsozietäten mit Sitz in Frankfurt. Dort berät er Kunden über die steuerlichen Aspekte bei Großinvestitionen.
Trotz der steilen Karriere hat der Jung-Manager einen Hang zur Bodenständigkeit. Obwohl er oft 70 Stunden pro Woche an seinem Schreibtisch verbringen muss, mag Lars Wittenberg nicht in die Metropole umziehen die zweieinhalb Stunden Autofahrt täglich nimmt er in Kauf, damit seine Tochter im heimatlichen Neustadt in einer "einigermaßen intakten Umwelt" aufwachsen kann.