Konjunktur: Schröders Aufschwung in Gefahr - DER SPIEGEL
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Konjunktur Schröders Aufschwung in Gefahr

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Die deutsche Wirtschaft wird in diesem Jahr weitaus dramatischer an Fahrt verlieren, als dies die Bundesregierung bislang zugibt. Die Prognose von Kanzler Gerhard Schröder, der noch vor wenigen Tagen "ein robustes Wachstum" von 2,75 bis 2,8 Prozent prophezeite, ist nach Ansicht führender Konjunkturinstitute und Banken nicht mehr zu halten. "Diese Zahl ist fern der ökonomischen Realität", urteilt Udo Ludwig vom IWH, dem Institut für Wirtschaftsforschung in Halle. So gehen die meisten Konjunkturexperten inzwischen nur noch von einem Wachstum von gut zwei Prozent aus. Als Gründe nennen sie gestiegene Ölpreise, den mangelnden Elan, den die Bundesregierung bei nötigen Strukturreformen zeigt, sowie den plötzlichen Abschwung in den Vereinigten Staaten. Gleichzeitig drohten, so warnt Gustav Adolf Horn, Konjunkturexperte des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, "die positiven Wirkungen der Steuerreform zu versanden". Die von Finanzminister Hans Eichel erhoffte Konsumlust werde durch die gestiegene Kraftfahrzeugsteuer oder höhere Krankenkassenbeiträge konterkariert. Horn geht deshalb nur noch von einem Wachstum "in der Gegend" von 2,1 Prozent aus. Auf die Entwicklung in Übersee verweist Willi Leibfritz vom Ifo-Institut: "Die Vorstellungen der Regierung, dass Europa vom Abschwung in den USA weitgehend unberührt bleibt, sind utopisch." Leibfritz wird seine Wachstumsprognose deshalb in den nächsten Tagen ähnlich deutlich nach unten korrigieren wie auch das IWH. Während die Forschungsinstitute dabei einen Abschlag von mindestens einem viertel Prozentpunkt vornehmen werden, sind die Banken noch pessimistischer: Thomas Mayer, Chefökonom der Investmentbank Goldman Sachs, nahm seine Prognose vergangene Woche um einen halben Prozentpunkt zurück, auf "rund zwei Prozent", Thorsten Polleit von Barclays Capital gar auf 1,9 Prozent. Die beiden Bankvolkswirte erwarten in diesem Jahr auch keinen weiteren Abbau der Arbeitslosigkeit mehr. Mayer: "Die Beschäftigungsdynamik in Deutschland ist schon vor Monaten abgebrochen" ­ ganz anders als etwa in Frankreich. Dort habe die Regierung den Arbeitsmarkt in vielen Bereichen dereguliert, etwa bei Teilzeitjobs, der Förderung von Zeitarbeit oder befristeten Arbeitsverhältnissen. Hier zu Lande, kritisiert Mayer, "macht die Regierung eher das Gegenteil".