Personalien - DER SPIEGEL
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Personalien

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Fritz Pleitgen,

63, Intendant des Westdeutschen Rundfunks, war nach Berlin gereist, um zusammen mit Wolf Biermann im "Ganymed", dem historischen Brecht-Lokal gegenüber dem Bahnhof Friedrichstraße, das Buch "Die Ausbürgerung ­ Anfang vom Ende der DDR" vorzustellen. Auf dem Podium versammelte sich zusätzlich Prominenz der ehemaligen Bürgerrechtsbewegung wie Bärbel Bohley und Marianne Birthler, die zum Thema diskutieren sollten. Doch der Anfang verzögerte sich, die Organisatoren fanden die Mikrofone für das Podium nicht. Da rutschte dem unruhig gewordenen Pleitgen, neben Biermann, der Satz heraus: "Mensch, was ist denn das hier nur? Das ist ja wie im Osten." Biermann beschwichtigte: "Na und? So sind se."

Ilaria Achilli, 20, macht müden Männern Lust aufs Wetter. Sparsam, aber thematisch passend, mit Wölkchen und Sonnen aus Pappe bekleidet, erzählt die Blondbezopfte im neuen Fernsehsender "La7", wie in Italien tags darauf das Wetter wird. Während ihres Vortrags über drohende Hoch- und Tiefdruckzonen, Regenkeile und Wolkenlöcher entledigt sich die "Barometrina" der entsprechenden Kleidungselemente, um sie zur Verdeutlichung der Wetterlage an eine große Italien-Landkarte an der Studiowand zu heften. Auch wenn die junge Dame sich häufig verhaspelt, scheint das Interesse an anschaulicher Aufklärung enorm: Das meteorologische Kurzprogramm wurde zum "La7"-Quotenknüller, obwohl es zur ungünstigsten Sendezeit, nach Mitternacht, ausgestrahlt wird.

Mehmet, 17, in die Türkei abgeschobener Jugendlicher, könnte schon bald wieder in Deutschland sein. Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof hatte die Abschiebung des mehr als 60-mal straffällig gewordenen Teenagers vorige Woche für rechtswidrig erklärt. Die Stadt München kündigte eine Beschwerde gegen das Urteil an, doch Mehmets Anwalt hält eine "einstweilige Einreise-Erlaubnis" noch vor Weihnachten für möglich. Mehmet spart in der Türkei bereits für das Flugticket. Von der Familie in München mit bis zu 1500 Mark monatlich unterstützt, habe sich der Junge "prächtig entwickelt", sagt Mehmets Vater Yksel Ari, 63. Nach seiner Abschiebung hatte Mehmet als Moderator für einen Istanbuler Jugendsender und in einer Schilderfabrik gearbeitet. Straffällig ist er nicht mehr geworden. "Doch er hat bis heute kein ordentliches Türkisch gelernt, jeden Abend guckt er deutsches Satellitenfernsehen", so der Vater: "Die Heimat des Buben ist Deutschland."

Gerhard Schröder, 57, Bundeskanzler, hatte vergangene Woche zwischen Afghanistan und rot-grüner Vertrauensfrage auch noch Zeit für eine Pressekonferenz mit 84 Schülerzeitungsredakteuren im Bundeskanzleramt. Fast alle Fragen drehten sich um die Entsendung von Bundeswehreinheiten ins nichteuropäische Ausland. Kurzfristig erhöhte sich die Spannung im Raum, als eine Jungredakteurin aus Thüringen zu wissen begehrte, ob Schröder auch "Frauen nach Afghanistan" entsende, nachdem "ja auch Frauen beim Bund mitmachen"? Der Kanzler antwortete, von väterlicher Sorge sichtlich übermannt: "Zuerst möchte ich hier noch einmal festhalten, bei einer ersten Entsendung würde es sich um Spezialisten, also Männer handeln." Die junge Frau fuhr dazwischen: "Ach nee, typisch." Da sprang Regierungssprecher Uwe-Karsten Heye seinem Dienstherrn mit einer salomonischen Lösung bei: "Sollten später auch Frauen unter den Spezialisten sein, wäre das natürlich kein Problem."

Gloria Trevi, 31, im sechsten Monat schwangere mexikanische Pop-Sängerin, die in einem brasilianischen Gefängnis gegen ihre Auslieferung nach Mexiko kämpft, hat sich selbst künstlich befruchtet ­ behauptet die brasilianische Bundespolizei. Trevi, die seit 22 Monaten einsitzt, war schwanger geworden, obwohl in dem Gefängnis strikte Geschlechtertrennung herrscht (SPIEGEL 42/2001). Vergangenen Montag berichtete der brasilianische Justizminister über das Ergebnis polizeilicher Nachforschungen zur rätselhaften Ursache des gebenedeiten Zustands der Künstlerin. Es bleibe nur eine Schlussfolgerung, so der Minister, Trevi schwängerte sich selbst mit Sperma, das ein männlicher Gefangener ihr überließ. Die Kultsängerin frecher Lieder ("Masturbiert wie nie zuvor") war mit ihrem Manager Anfang 2000 aus Mexiko geflohen ­ vor der von ihr bestrittenen Anschuldigung der dortigen Staatsanwaltschaft, die beiden hätten mindestens neun Mädchen sexuell missbraucht. Falls Trevi gehofft haben sollte, Elternschaft würde sie in Brasilien wie einst den britischen Posträuber Ronald Biggs vor Auslieferung bewahren, so hätte sie sich getäuscht. Das Gesetz wurde vor 20 Jahren geändert.

Ursula von der Leyen, 42, Tochter des ehemaligen niedersächsischen Ministerpräsidenten Ernst Albrecht, 71, will ihrem Vater nacheifern. Die promovierte Frauenärztin und Mutter von sieben Kindern im Alter von 2 bis 14 Jahren hat sich jetzt offiziell um eine Kandidatur für den niedersächsischen Landtag beworben. Bereits im September war sie bei den Kommunalwahlen erfolgreich angetreten und ist nun CDU-Fraktionsvorsitzende im Stadtrat Sehnde und Mitglied im Regionalparlament für die Region Hannover. CDU-Politiker trauen der Politikertochter, die Albrecht immer "Röschen" nannte, auch eine führende Position in der Landes-CDU zu. Seit zwei Jahren gehört von der Leyen zum engsten Beraterstab des niedersächsischen CDU-Oppositionsführers Christian Wulff, der sie zu dem Schritt ermuntert haben soll. Innerparteilich sorgen die politischen Ambitionen allerdings eher für Ärger. Opfer wäre nämlich der Politiker Lutz von der Heide, der sein Mandat vor elf Jahren von Ernst Albrecht übernommen hat. Von der Leyen: "In der Politik gibt es keine Erbhöfe."

Raho Ortiz, 33, amerikanischer Rechtsanwalt, missachtete ein neues Bundesgesetz mit dramatischen Folgen. Auf dem Flug von Pittsburgh nach Washington war Ortiz 15 Minuten vor der Landung auf dem Ronald Reagan National Airport aufgestanden und in Richtung Cockpit marschiert. Er kam nicht weit. Drei Sky-Marshals, einer mit gezogener Pistole, stürzten sich auf ihn, zwangen ihn zu Boden. Ortiz kreischte: "I'm sorry. I'm sorry. Ich wollte nur zur Toilette." Es half nichts. Die Maschine wurde zu einem anderen Flughafen umdirigiert, Ortiz wurde mit Handschellen gefesselt, und die anderen 106 Passagiere mussten für den Rest der Flugzeit die Hände hinter dem Kopf verschränken, später auf die Vordersitze legen. Bei der Landung verhaftete das FBI Ortiz mit der Anschuldigung: "Eingriff in die Flugsicherheit". Später wurde der Vorwurf zurückgenommen und Ortiz freigelassen. Der Anwalt hatte vergessen, was die Flugbegleiter den Passagieren vorher eingeschärft hatten: In der letzten halben Stunde vor der Ankunft auf dem Nationalflughafen dürften laut bundesgesetzlicher Bestimmung die Passagiere ihre Sitze nicht mehr verlassen. Dass er kein Terrorist sei, dafür verbürgte sich hinterher aber auch Ortiz' Mutter: "Auf keinen Fall, er ist ein Navajo ­ ein Native American", sagte sie, "wir lebten hier schon lange vor all den anderen Menschen."

Vanessa Alexandra Mendoza, 20, kolumbianische Schönheitskönigin, hat eine Rassenschranke übersprungen. Sie ist die erste schwarze Frau, die in der 67-jährigen Geschichte des kolumbianischen Schönheitswettbewerbs den Titel "Miss Columbia" gewann. Dabei sind 80 Prozent der Kolumbianer entweder schwarz oder gemischtrassig und werden oft kulturell und ökonomisch diskriminiert. Die neue Schönheitskönigin kommt aus Chocó, einer der ärmsten Regionen des Kaffee- und Kokastaats, Heimat vieler Kolumbianer mit afrikanischen Vorfahren.

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