KIRCH Angst vor dem Angriff
Die Kirch-Gruppe stellt sich auf einen feindlichen
Übernahmeversuch durch Rupert Murdoch ein. Noch in dieser
Woche, so heißt es in Unternehmenskreisen, könne es so weit
sein. In der Münchner Firmenzentrale von Leo Kirch, wo man
Murdochs Vorstoß offiziell noch als "reine Spekulation"
abtut, werden bereits Optionen durchgespielt, wie ein
Angriff des Australoamerikaners und seines Medienkonzerns
News Corp. abgewehrt werden kann. Der Druck, so heißt es im
Unternehmen, wachse stündlich. Murdochs plötzliches
Vorpreschen wird bei Kirch in engem Zusammenhang mit der
von John Malone und Liberty Media angestrebten Übernahme
wesentlicher Teile des deutschen Kabelnetzes gesehen: Jetzt
werde der britisch-australisch-amerikanische Schlachtplan
zur Übernahme des deutschen und europäischen Medienmarktes
deutlich, heißt es in München. Als Speerspitze seines
Angriffs nutzt Murdoch mit seinem finanzkräftigen
Hauptinvestor Malone im Hintergrund die Gläubigerbanken der
Kirch-Gruppe: Sie sollen den hoch verschuldeten Kirch dazu
bewegen, den kapitalstarken Murdoch ins Boot zu lassen. Bei
Kirch ist von "Angst" vor mangelnder Loyalität der Banken
die Rede und von einem "neuen Spiel". Nun ist die
Kirch-Gruppe hektisch bemüht, die Gläubigerbanken von einem
Lagerwechsel abzuhalten und gleichzeitig neue Finanzmittel
aufzutreiben. Eine Übernahme des Kirch-Konzerns würde
Murdoch, der schon 22 Prozent an Premiere hält, zum
mächtigsten Mann der europäischen TV-Branche machen und
den Amerikaner Malone seinem Ziel näher bringen, auch in
Europa möglichst schnell zu einem führenden Medienanbieter
zu
werden.