FESTSPIELE Hüter des Horts
Hojotoho, der Alte hat durchgehalten, steht weiter im Saft,
hütet den Hort auf dem Hügel. Der Wagner Wolfgang ist,
keine Frage, 2001 der Stand-Man des Jahres. Selbst die
Getreuesten unter den Bayreuthianern hatten ihn
abgeschrieben, der Ernstfall schien da. Abkömmlinge des
genialischen Stamms und sippenfremde Schmarotzer leckten
schon Blut, zum Greifen nah schien der Gral. Denkste. Der
Komponistenenkel, per Vertrag lebenslänglich an den Hügel
gekettet, blieb stur und machte einfach, was seines Amtes
ist: Er organisierte Opas Festspiele und versetzte allen
Naseweisen einen Stüber: von wegen altfränkisch, von wegen
hinterm Mond. Zauberte einfach so einen Bilderstürmer wie
Lars von Trier als künftigen "Ring"-Inszenator aus dem Hut
und holte den Neutöner Pierre Boulez als Dirigent heim in
den unsichtbaren Graben des Festspielhauses. Ach, selbst
seinem christsozialen Intimfeind Hans Zehetmair, der ihn so
gern abserviert hätte, verschlug es die Sprache ob solch
unbotmäßigem Draufgängertum: War diesem Greis nun
beizukommen? Eben nicht die Erkenntnis des
Jahres.