Titel: "Ja, das ist Theater" - DER SPIEGEL
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Titel "Ja, das ist Theater"

Müllers Geständnis im Originalton (Auszug)
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Je negativer das Theater ist, umso wahrscheinlicher ist es, dass es öffentliche Aufmerksamkeit erfährt (...) Und deshalb ist klar, dass Politik auch Inszenierung entwickelt. Deshalb ist klar, dass Sie mit Blick auf Ereignisse Drehbücher schreiben.

Also, um auf den Freitag im Bundesrat zurückzukommen: Natürlich sind wir in der Nacht von Donnerstag auf Freitag zusammengesessen. Und natürlich haben wir über die Frage geredet, was passiert morgen, und eben nicht nur über die Frage, was passiert morgen in der Sache (...) Wir haben auch über die Frage geredet: Was passiert bei der Abstimmung? Wie ist die Abstimmung zu werten? Was passiert, wenn bei einem bestimmten Abstimmungsverhalten eine bestimmte Reaktion des Bundesratspräsidenten eintritt (...)?

Und es gab dann, in der Zeitung stand "Tumult" ­ also wenn das schon Tumult war, weiß ich auch wieder nicht, also von Tumult habe ich irgendwie andere Vorstellungen. Aber richtig ist: Es gab ein Maß an Aufgeregtheit, das dem ehrwürdigen Gremium des Bundesrates, das ja bei seiner normalen Tätigkeit eher an die "Muppets-Show" erinnert, durchaus ungewöhnlich und unangemessen war. Das war kein Zufall. Die dort geäußerte Empörung hinsichtlich der Feststellung des Bundesratspräsidenten entstand nicht spontan. Die Empörung haben wir verabredet (lautes Gelächter im Publikum).

Und ich sage: Das war Theater ­ aber legitimes Theater. Warum war es legitim? Weil die dort zum Ausdruck gebrachte Empörung einen ehrlichen Hintergrund hatte, als wir hörten ­ allerdings in der Nacht vorher ­, dass die Absicht besteht, eine Entscheidung für gültig zu erklären, obwohl derjenige, der dieses zu tun hat, damit eindeutig gegen den Wortlaut der Verfassung verstößt (...)

Als wir hörten, dass er trotzdem ­ aus Gründen, die Sie kennen ­ die Stimmen als gültige Stimmen werten will, gab es Empörung. Das war ehrliche Empörung. Diese Empörung muss mitgeteilt werden, die war in einem kleinen Zimmerchen in einer großen Parteizentrale. Da war kein Journalist dabei. Also müssen Sie diese Empörung dokumentieren. Das haben wir dann gemacht (lautes Gelächter). Und da kann man natürlich sagen, das ist Theater. Ja, das ist Theater. Aber es ist ein Theater, das in einer Kommunikationsgesellschaft unverzichtbar ist.