FERNSEHEN Decoder vom Sozialamt?
In Berlin gibt es Streit über die für März geplante
Umstellung auf das digitale Antennenfernsehen DVB-T. Die
rund 150 000 Haushalte in Berlin und Umgebung, die ihre
Programme noch über Haus- oder Zimmerantenne beziehen,
brauchen dann einen Digital-Decoder, um wie bisher aus der
Luft Privatsender wie RTL empfangen zu können. ARD und ZDF
werden noch ein halbes Jahr länger analog übertragen. Um
bei sozial schwachen Familien, die sich die Decoder
(einfache Geräte gibt es ab etwa 200 Euro) nicht leisten
können, einen TV-Blackout zu vermeiden, hat der Chef der
Berliner Medienaufsicht MABB, Hans Hege, die Intendanten
von SFB und ORB in einem Schreiben vom 6. Mai aufgefordert,
die Umstellung "sozialverträglich" zu gestalten. Hege
schlägt vor, dass die Anstalten selbst Decoder erwerben und
an bedürftige Berliner abgeben schließlich könnten die
Sender durch die Umstellung künftig Millionen sparen. Bei
den Anstalten, die im DVB-T-Vorreiterland Berlin einen
Präzedenzfall fürchten, stoßen Heges Pläne indes auf
Ablehnung. "Für so etwas haben wir keine Mittel zur
Verfügung", sagt etwa SR-Intendant Fritz Raff. Auch
ARD-Chef Fritz Pleitgen und ZDF-Intendant Markus Schächter
sprachen sich bei einem Spitzengespräch gegen Heges Plan
aus für die TV-Härtefälle, so glaubt man bei den
Öffentlich-Rechtlichen, sei im Zweifel das Sozialamt
zuständig. Hege hält einen Umstieg "ausschließlich zu
Lasten der Sozialhilfe" indes für "politisch nicht
vermittelbar". Sollten sich ARD und ZDF in der Frage nicht
bewegen, sieht er die gesamte Umstellung in Gefahr: Gelinge
es nicht, diese Frage zu lösen, "dann steht zu erwarten,
dass der Umstieg nicht verschoben werden muss, sondern dass
er überhaupt nicht mehr stattfinden
kann".