Interview mit Peter Voss: "Kein sauberes Spiel von Kirch" - DER SPIEGEL
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Interview mit Peter Voss "Kein sauberes Spiel von Kirch"

Die Fußball-WM begann mit einem Eklat. Eine Million deutsche Haushalte konnte das Eröffnungsspiel Senegal gegen Frankreich nicht sehen. Der stellvertretende ARD-Vorsitzende Peter Voss, 61, zum Übertragungschaos.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

SPIEGEL:

Vor gut zwei Wochen haben ARD und ZDF versichert, alle Gebührenzahler könnten Ihre WM-Übertragungen sehen. Ausgerechnet am ersten Spieltag haben Sie jetzt einen Rückzieher gemacht. Etwa eine Million Haushalte, die ihre Geräte bereits auf die neue Digitaltechnik umgestellt haben, schauen in die Röhre. Was soll das Chaos?

Voss: Das fragen wir uns auch. Es liegt jedenfalls nicht an uns. Wir haben immer versucht, die Rechte für die digitale Satellitenübertragung von Kirch zu kaufen. Das wurde abgelehnt. Dann haben wir eine technische Lösung für das Problem angeboten. Und sogar das Risiko von Schadensersatzforderungen wären wir eingegangen ­ falls TV-Anbieter in anderen Ländern, die mit Kirch Exklusivverträge haben, sich durch unsere Satellitenverbreitung geschädigt fühlen. Kirch hat das zunächst auch akzeptiert.

SPIEGEL: Jetzt verlieren ausgerechnet die Zuschauer mit modernsten Sat-Empfängern. Warum?

Voss: Kirch hat uns schlicht nicht die ganze Wahrheit gesagt. Das war kein sauberes Spiel. Erst in den letzten Gesprächen hat man uns eröffnet, dass etwa in Nordafrika Vertragsstrafen drohen. Von dort sind wir sogar schon anwaltlich abgemahnt worden. Zudem wurde plötzlich die Umkehr der Beweislast gefordert: Danach müssten wir nachweisen, dass wir niemanden schädigen. Das ist absurd ­ und ein rechtliches und finanzielles Risiko, das wir den Gebührenzahlern nicht zumuten können.

SPIEGEL: Dafür muten Sie vielen nun zu, die WM zu verpassen.

Voss: Manche haben ja sicher noch analoge Empfangsmöglichkeiten. Der Rest muss wohl zum Nachbarn gehen oder in die Gastwirtschaft und wie in den goldenen Zeiten von Bern 1954 das Gemeinschaftserlebnis genießen.

SPIEGEL: Sie haben für 24 Spiele stolze 150 Millionen Mark an Kirch bezahlt. Wenn Sie sich über die WM-Rechte für 2006 einigen, werden weitere 100 Millionen fällig. Verstehen Sie die Wut der Zuschauer? Es gab ja schon Freitag Hunderte Anrufe.

Voss: Doch, sicher. Aber wir sind dafür die falsche Adresse. Wir haben dreimal nachverhandelt und das Beste für die Zuschauer herausgeholt. Die Alternative wäre gewesen, dass wir gar nichts gezeigt hätten ­ und das ist sicher nicht unser Auftrag.