Kassenärzte: "Ich war zu naiv" - DER SPIEGEL
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Kassenärzte "Ich war zu naiv"

Der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) Manfred Richter-Reichhelm, 60, über die Imagekampagne seiner Organisation, in der unter anderem mit einem erotisch gefärbten Kinder-Motiv für die KBV geworben wird
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SPIEGEL: Finden Sie es nicht heikel, auf einem Plakat einer Ärzteorganisation ein Kind im Lolita-Stil abzubilden?

Richter-Reichhelm: Für mich ist das ein sehr niedliches, anziehendes Kind, mit dem ich nie irgendwelche sexuellen Gedanken verbinden würde. Aber vielleicht bin ich da nicht sensibel genug oder war einfach zu naiv. Oder ich bin als 60-Jähriger einfach zu weit davon weg.

SPIEGEL: Uns wurde von einer Patientin berichtet, der das KV-Werbebild während ihres Klinikaufenthalts durch Zufall in die Finger kam und die daraufhin einen Zusammenbruch erlitt: Sie war als Kind von ihrem Hausarzt sexuell missbraucht worden.

Richter-Reichhelm: Ich bin sehr überrascht und erschrocken über diese Reaktion, obwohl ich sie nachvollziehen kann. Auf jeden Fall ist das, und das glauben Sie mir hoffentlich, in keiner Weise beabsichtigt gewesen.

SPIEGEL: Können Sie sich nicht vorstellen, dass das KV-Werbemotiv auf potenzielle Täter eher ermunternd wirken könnte?

Richter-Reichhelm: Daran habe ich nicht im Traum gedacht. Wenn wir ungewollt diesen Eindruck erweckt hätten, wäre das sicher Anlass, diese Motivaktion zu ändern und andere Motive zu verwenden. Im engeren Auswahlgremium der KBV, das als Erstes über die Motive entschieden hat, saßen fünf Männer. Vielleicht hätte eine Frau oder auch eine Psychologin dabei sein sollen. Dafür werde ich in Zukunft sorgen.