KUNST: Unnatürlich blond - DER SPIEGEL
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KUNST Unnatürlich blond

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Wenn es sein muss, malt der amerikanische Künstler Richard Phillips auch mit Blattgold oder Aluminium ­ Hauptsache, die Gestalten auf seinen Bildern wirken überirdisch entrückt. Profan erscheint dagegen seine Motivsuche: Jahrelang studierte Phillips, 39, einschlägige Männermagazine und wählte die blondesten Frauen aus. Meistens zeigt er nur ihre Gesichter, die er auf der Leinwand ins Absurde vergrößert ­ ein cleverer Kunstgriff, denn plötzlich sieht die geschminkte Mimik wie eine makabre Maske aus. Weil seine Bilder immer glamourös bis skandalös und zudem ein wenig gesellschaftskritisch wirken, feiert der internationale Kunstbetrieb ihn längst als Star. Verwirrt gaben sich die US-Kritiker allerdings, als er vor ein paar Monaten neue Bilder präsentierte, darunter ein Porträt von Präsident Bush, grau in grau mit rosa Streifen umrahmt. Jetzt widmet der Hamburger Kunstverein Phillips bis zum 10. November eine Einzelschau ­ mit vielen Blondinen und vorsichtshalber ohne das Bush-Konterfei.