Aktienexperte Heller zum Nemax: "Schrott bleibt Schrott" - DER SPIEGEL
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Aktienexperte Heller zum Nemax "Schrott bleibt Schrott"

Die Deutsche Börse hat angekündigt, den Nemax von der Bildfläche verschwinden zu lassen. Im SPIEGEL-Interview äußert sich Gottfried Heller, Chef der Münchner Fiduka Depotverwaltung, zur Auflösung des Neuen Marktes.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

SPIEGEL:

Der Neue Markt ist vergangene Woche von der Deutschen Börse AG so gut wie beerdigt worden. Ein großer Verlust?

Heller: Das war längst überfällig. Es waren einfach zu viele Schrottwerte drin, der harte Schnitt hätte schon viel früher kommen müssen.

SPIEGEL: Der Neue Markt hatte am Ende das Image einer Zockerbude. Wer ist schuld am Niedergang?

Heller: Die Banken haben nicht genau hingeschaut, weil sie an den Provisionen für die Börsengänge gut verdient haben. Die Analysten haben ihren Arbeitgebern nicht im Wege stehen wollen und freundliche Berichte geschrieben. Viele Unternehmen haben kräftig gemauschelt und getrickst. Und die Anleger haben den Neuen Markt mit einem Gewinnautomaten verwechselt, wo man oben nur Geld hereinschmeißen muss, damit es unten rasselt.

SPIEGEL: Was empfehlen Sie den Anlegern, die noch Geld investiert haben?

Heller: Die Aktien werden in Zukunft auf zwei Märkte, den Prime Standard und den Domestic Standard, aufgeteilt. Für den Prime Standard wird es eine Qualitätsauslese geben, weil die Unternehmen dort einer größeren Transparenz unterliegen. Doch viele Unternehmen des Neuen Marktes verfolgen nicht haltbare Geschäftsmodelle und sollten nicht ewig gehalten werden. Schrott bleibt Schrott. Irgendwann müssen sich die Anleger von Illusionen frei machen.