Aids "Es ist ein Vabanque-Spiel"
SPIEGEL:
Forscher vom New Yorker Aaron Diamond AIDS Research Center glauben die Ursache dafür gefunden zu haben, warum Aids bei manchen HIV-Infizierten nicht zum Ausbruch kommt: Ihr Immunsystem produziert Abwehrstoffe, so genannte Alpha-Defensine, die die Vermehrung des Erregers unterdrücken. Hilft diese Entdeckung, eine neue Therapie gegen Aids zu entwickeln?
Kurth: Ich erwarte keine unmittelbare Therapiemöglichkeit. Versuche mit ähnlichen Stoffen waren in der Vergangenheit klinisch nicht erfolgreich. Man muss Tests mit diesen neuen Substanzen auf jeden Fall durchführen; aber ich bin skeptisch, ob sie zum großen Durchbruch führen werden.
SPIEGEL: Wie bedeutsam ist der Fund?
Kurth: Er reiht sich ein in die Entdeckung von bestimmten Anti-Aids-Faktoren bei Langzeitüberlebenden, die wir bei Leuten mit schnellem Krankheitsverlauf nicht in dieser Konzentration im Serum messen können.
SPIEGEL: Bei Versuchen im Reagenzglas soll die Wirkung der Defensine immerhin durchschlagend gewesen sein.
Kurth: Die New Yorker Forscher geben aber auch zu, dass Defensine nicht die einzigen Botenstoffe sind, die die Virusvermehrung hemmen. Sie gehören zu einer Gruppe von Stoffen, die offenbar das Gleiche können.
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SPIEGEL: Wäre es nicht erstrebenswert, Aidsviren mit körpereigenen Killerstoffen zu attackieren?
Kurth: Gar keine Frage. Aber das Problem ist, dass diese Stoffe im Blut blitzschnell abgebaut werden. Man müsste die Defensine so schneidern, dass sie möglichst nicht so schnell abgebaut werden, aber trotzdem noch wirksam sind. Die Pharmaindustrie arbeitet auf dieser Schiene schon seit einiger Zeit. Sie versucht, so genannte Small Molecules herzustellen, die im Serum sehr effizient sind.
SPIEGEL: Ließe sich so erreichen, dass Defensive den HIV-Infizierten helfen?
Kurth: Es ist ein Vabanque-Spiel. Entweder es klappt, oder es klappt nicht. Dazwischen wird es nichts geben.