POP "Ich bin ein Gewohnheitstier"
SPIEGEL: Mr. Bon Jovi, empört es Sie, wenn wir behaupten, Ihre neue CD "Bounce" klinge wie der Soundtrack zu jenem Hurra-Patriotismus, der die USA seit dem 11. September 2001 fest im Griff hat?
Bon Jovi: Gar nicht so verkehrt. Jedenfalls wollte ich keine Platte über trauernde Witwen komponieren wie Bruce Springsteen. Ich glaube, wir sollten einsehen, dass der 11. September nur ein Aspekt des vergangenen Jahres war. Statt nun endlos in einer bleiernen Stimmung zu verharren, müssen wir die Dinge mit neuem Mut anpacken. Es ist Zeit, vorwärts zu schreiten. Move on.
SPIEGEL: Mögen Sie Springsteens Platte?
Bon Jovi: Ich habe sie ein paar Mal aufgelegt, aber ich konnte nicht richtig zuhören. Danach hat die CD nicht wieder zurückgefunden in mein Abspielgerät.
SPIEGEL: War Springsteen, der wie Sie aus New Jersey kommt, nicht einer der Musiker, die Sie in jungen Jahren verehrten?
Bon Jovi: Klar, es waren Leute wie Springsteen und Southside Johnny, die mir das Zutrauen gaben, es packen zu können im Rockgeschäft Burschen, die über das sangen, was in unseren Straßen geschah. Meine Eltern hatten Geld gespart, um mich auf eine katholische High School für Jungen schicken zu können; aber ich hatte die Mädchen und den Rock'n'Roll entdeckt und sagte meinen Eltern, dass ich meinen eigenen Weg gehen wolle.
SPIEGEL: Mit netten Balladen im Heavy-Metal-Sound haben Sie es auf ein geschätztes Vermögen von 50 Millionen Dollar gebracht. Finden Sie nicht, dass der neoklassizistische Palast, den Sie sich haben bauen lassen, etwas bizarr wirkt in New Jersey?
Bon Jovi: Keineswegs. Das Vorbild, das Hotel Saint James in Paris, hat mich nun mal ungeheuer beeindruckt. Es gibt, was Architektur angeht, nichts, was diesen Stil toppen könnte.
SPIEGEL: Auch auf "Bounce" zeigen Sie Ihre Liebe zum Altbewährten. Fehlt Ihnen die Lust zu Experimenten?
Bon Jovi: Ich mag keine Veränderungen. Ich bin ein
Gewohnheitstier. All die Jahre dieselbe Band, dasselbe New
Jersey und dieselbe Frau. Ein wildes Liebesleben ist
nicht mein
Ding.