Kultur Krimis
Allen Kurzweil: "Die Leidenschaften eines Bibliothekars". Aus dem Amerikanischen von Thomas Stegers. Luchterhand Literaturverlag, München; 416 Seiten; 22,50 Euro.
Der elegante Herr, der auffallend oft die Bibliothek besucht, ist anspruchsvoll in seinen Wünschen: Henry James Jesson III. packt Alexander Short, den Bibliothekar an der New York Library, geschickt bei seinem Ehrgeiz. Immer entlegenere Bücher soll der ihm besorgen und immer verzwicktere Recherchen für ihn anstellen. Am Ende ist Short im Manipulationsnetz des Millionärs gefangen. Als er merkt, dass er hintergangen wird, entwickelt er einen raffinierten Racheplan. Mit seinem kuriosen Krimi bereitet Allen Kurzweil, 41, bibliophilen Genießern ein wahres Vergnügen. -------------------------------------------------------------------
Tess Gerritsen: "Die Chirurgin". Aus dem Amerikanischen von Andreas Jäger. Limes Verlag, München; 416 Seiten; 21,90 Euro.
Die Polizei in Boston hat es mit widerlichen Morden zu tun. Ein Serientäter bricht bei Frauen ein, fesselt sie, nimmt eklige Operationen vor und tötet sie. In einem anderen Bundesstaat gab es schon ähnliche Verbrechen; Dr. Catherine Cordell, ein Opfer, konnte ihren Peiniger in letzter Minute töten. Nur eine Parallele? Die Polizei glaubt, dass Cordell erneut in höchster Gefahr schwebt. Tess Gerritsen hat wieder einen ihrer spannenden Medizin-Thriller geschrieben für Mimosen ungeeignet. -------------------------------------------------------------------
Pierre Magnan: "Laviolette auf Trüffelsuche". Aus dem Französischen von Irène Kuhn. Scherz Verlag, Bern; 286 Seiten; 19,90 Euro.
In dem Dorf Banon sieht die Provence noch aus, wie Tourismusmanager sie gern haben: Lavendelfelder, Bienenstöcke und Eichenwälder, in denen Trüffel wachsen. Doch hinter der Fassade? Kommissar Laviolette hat es mit fünf verschwundenen Jugendlichen zu tun. Die Ermittlungen werden nicht einfacher, als nach und nach diverse Leichen auftauchen. Pierre Magnan, 80, schwelgt wieder in südfranzösischem Kolorit und kriminalistischen Finessen. -------------------------------------------------------------------
Philip Jolowicz: "Kartell des Schweigens". Aus dem Amerikanischen von Rainer Schumacher. Lübbe Verlag, Bergisch Gladbach; 544 Seiten; 19,90 Euro.
Die klassische Thriller-Situation: Ein Durchschnittsmensch sieht sich plötzlich aus dem gewohnten Leben gerissen. Ein Unfall ist geschehen, und Fin Border, so heißt das arme Würstchen, muss um sein Leben fürchten, wird vom Beobachter zum Gejagten. Seine Firma lässt ihn fallen, Killer verfolgen ihn, und unversehens ist er in Indien gelandet, wo er auch noch die undurchsichtige Geschichte seines Vaters aufarbeiten muss. Autor Jolowicz, 43, beherrscht die Versatzstücke des Alptraum-Genres und vergisst auch den nötigen Schuss Erotik nicht. -------------------------------------------------------------------
Peter Zeindler: "Das Lächeln des andern". Arche Verlag, Zürich; 352 Seiten; 20 Euro.
Der feinsinnige Schweizer Autor Peter Zeindler, 68, hat eine kleine, aber anspruchsvolle Lesergemeinde, die auch an seinem Krimihelden Eugen Salbach, einem Mann mit Geheimdienstvergangenheit, Gefallen finden wird. Diese Geschichte beginnt mit der Leiche eines Italieners. Der Mann, der da unter einem weißen Laken im Genfer Luxushotel Beau Rivage liegt, rührt noch im Tod alte Geschichten auf eine dieser typischen Zeindler-Storys, eine Geschichte, in der bald keine Wahrheit unwidersprochen bleibt und keine Identität geglaubt wird. -------------------------------------------------------------------
Gretelise Holm: "Ein anständiger Mord". Aus dem Dänischen von Jörg Scherzer. List Verlag, München; 432 Seiten; 19 Euro.
Manche Autoren haben die Gabe, einen ersten Satz zu schreiben, der Spaß macht. "Mein Vater taugte nicht viel, hatte jedoch ein aufsehenerregendes Talent zum Selbstmord." So lässt Gretelise Holm, 56, ihren Krimi beginnen und führt den Leser in ein anheimelnd-gruseliges Kleinstadtszenario. Die Polizeireporterin Karin Sommer stößt bei Recherchen über Gewaltverbrechen in der dänischen Provinz auf Ungereimtheiten. Ein gekonnt erzählter, mit wohltuendem Humor gewürzter Appetithappen aus der erfolgreichen skandinavischen Krimiküche.