Erdbeben in Italien: Schwere Vorwürfe gegen Behörden - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Erdbeben in Italien Schwere Vorwürfe gegen Behörden

In San Giuliano di Puglia werden heute die Opfer des Erdbebens beigesetzt. Zum tragischen Ausmaß der Katastrophe in Mittelitalien trug offenbar menschliches, vor allem behördliches Versagen entscheidend bei.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Experten erhoben schwere Vorwürfe gegen die Behörden. So wie die Unglücksschule seien etwa 60 Prozent aller Gebäude in erdbebengefährdeten Gebieten ­dazu zählen weite Teile des Landes ­ nicht nach den entsprechenden Sicherheitsnormen gebaut. Viele Häuser würden nach wie vor illegal hochgezogen. Die vorgeschriebenen Kontrollen öffentlicher Gebäude sind extrem lasch.

Mindestens 26 Schüler und 3 Erwachsene waren in der Kleinstadt San Giuliano di Puglia ums Leben gekommen, als am Donnerstag Erdstöße bis Stärke 5,4 (Richter-Skala) die Region Molise erschütterten und das Schulgebäude zusammenbrach. Am Freitag bebte die Erde erneut, nahe der Stadt Campobasso stürzte ein Kirchturm ein. Menschen flüchteten in Panik aus ihren Häusern. San Giuliano di Puglia wurde evakuiert, Tausende Menschen obdachlos.

Das jetzt kollabierte Schulhaus war vor fünf Jahren offiziell als "erdbebensicher" eingestuft worden. Nun bekannten die Prüfer, sie hätte nur bestimmte Teile untersucht. Dazu gehörten nicht die Decken, die die Kinder erschlugen. Vor zwei Jahren war sogar noch ein zusätzliches Stockwerk auf das rund 50 Jahre alte Gebäude gesetzt worden.

Auch Regierungschef Silvio Berlusconi, der seine Karriere einst als Bauunternehmer begonnen hatte, stufte das Objekt bei seiner Visite spontan als nicht fachgerecht ein.