Kriminalistik: Zellspuren auf Erpresserbrief - DER SPIEGEL
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Kriminalistik Zellspuren auf Erpresserbrief

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Australische Forscher haben eine Methode entwickelt, mit der sie erstmals einen genetischen Fingerabdruck aus nur einer einzigen Körperzelle erstellen können. Bislang sind für eine DNS-Analyse Hunderte Zellen nötig, die nicht mit den Körperzellen einer anderen Person vermischt sein dürfen ­ was in der Praxis oft ein großes Problem darstellt.

Zwar verliert jeder Mensch pro Minute rund 30.000 Körperzellen und legt so eine DNS-Spur ­ doch ist diese oft durch fremde Erbgutreste verunreinigt. "Mit der neuen Methode können wir feststellen, welche Personen einmal ein Blatt Papier in der Hand hielten", sagt Ian Findlay, der das Verfahren entwickelt hat. "Bei Erpressungen und Entführungen könnte dies den entscheidenden Hinweis liefern. Verbrecher müssten schon einen Raumanzug tragen, um keine Spuren zu hinterlassen."

Auch bei der Aufklärung von Mehrfachvergewaltigungen (bei denen sich das Sperma verschiedener Täter mischt) oder bei Verbrechen, die schon länger zurückliegen, soll die neue Methode hilfreich sein. Findlay hofft, dass sie in wenigen Jahren vor Gericht als Beweismittel zugelassen wird. Kritiker wenden jedoch ein, dass das Verfahren für eine sinnvolle Verbrechensaufklärung zu empfindlich wäre, weil häufig viel zu viele Personen an einem Tatort ihre Gen-Spuren hinterlassen.