Verhaltensforschung Frauen sind sozialer
Das zweite X-Chromosom, das Frauen im Unterschied zu Männern besitzen, könnte dafür verantwortlich sein, dass bei ihnen soziale Inkompetenz deutlich seltener vorkommt. Das fanden Ruth Campbell und David Skuse vom University College London durch Beobachtung von 41 Frauen mit dem so genannten Turner-Syndrom heraus, denen das zweite X-Chromosom fehlt.
Turner-Frauen besitzen eine normale Intelligenz, doch fehlen ihnen oft Fähigkeiten zum problemlosen Umgang mit anderen Menschen: Zum Beispiel können sie, wie die Studie zeigte, oft nur schwer beurteilen, ob ihr Gegenüber sie gerade anblickt. Auch Familienangehörige von Turner-Frauen berichten häufig, dass es diesen Frauen schwer falle, Körpersprache zu lesen und sich in einer Gruppe zurechtzufinden.
Offenbar, so Campbell, seien Menschen mit nur einem X-Chromosom also auch Männer deutlich anfälliger für soziale Inkompetenz als gesunde Frauen mit zwei X-Chromosomen. "Gerade für Frauen", erklärt die Forscherin, "war es in der Evolution eben für ihr eigenes und somit für das Überleben ihrer Kinder extrem wichtig, soziale Situationen richtig einschätzen zu können."