Gesundheit: Kurzsichtiges Dogma wankt - DER SPIEGEL
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Gesundheit Kurzsichtiges Dogma wankt

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Millionen Menschen könnten seit Jahren ihre Augen schädigen, weil ihre Brillen falsch angepasst sind. Zu diesem Ergebnis jedenfalls kommt eine Studie in der Zeitschrift "Vision Research".

Eigentlich wollte Daniel O'Leary, Optiker an der Anglia Polytechnic University im britischen Cambridge, bloß eine Lehrmeinung der Augenheilkunde wissenschaftlich bestätigen: Seit Jahrzehnten werden die Brillengläser für Kurzsichtige "unterkorrigiert". Dadurch soll eine Gewöhnung an die Linse verhindert werden, was angeblich zu einer weiteren Verschlechterung des Sehens führen würde.

Doch das Gegenteil scheint der Fall zu sein. Das zumindest ist das Ergebnis der Studie, die O'Leary mit 94 Kindern in Malaysia durchgeführt hat. Die Hälfte der Kinder bekam perfekt angepasste, die andere Hälfte unterkorrigierte Brillen.

Doch die Studie, eigentlich auf drei Jahre angelegt, musste nach zwei Jahren abgebrochen werden. Denn schnell wurde klar, dass sich die Augen der Kinder mit den unterangepassten Brillen deutlich schneller verschlechterten als die der Kontrollgruppe.

Zwar ist die Anzahl der Untersuchten zu klein für eine endgültige Aussage, doch gilt die Studie einigen Fachleuten als Alarmsignal. "Ich finde die Ergebnisse plausibel", sagt Theo Seiler, einer der angesehensten Ophthalmologen im deutschsprachigen Raum: "Die Unterkorrektur ist ein Dogma, das bislang nicht hinreichend bewiesen worden ist. Es besteht dringender Forschungsbedarf."