Kriminologie Blei im Gebein
Sind die menschlichen Knochen, die zufällig auf einer Baustelle entdeckt werden, die Überreste eines Verbrechensopfers? Oder stammen sie aus dem Mittelalter? Der Geochemiker Stuart Black von der University of Reading hat ein Verfahren entwickelt, das es an Hand der Gebeine möglich macht zu bestimmen, wie lange eine Person schon tot ist und wo sie in den letzten zehn Jahren vor ihrem Tod gelebt hat.
Ähnlich wie bei der Radiokarbon-Methode, die Archäologen die Datierung steinzeitlicher Funde erlaubt, misst Black dabei den Zerfall von Radioisotopen; allerdings nutzt er nicht den Kohlenstoff-14, sondern die kurzlebigeren Isotope Blei-210 und Polonium-210. Je mehr von diesen Substanzen bereits in stabile Isotope zerfallen sind, desto älter ist der Fund. Da die Halbwertszeit der beiden Isotope (also die Zeitspanne, nach der genau die Hälfte zerfallen ist) bekannt ist sie beträgt 22 Jahre beziehungsweise 134 Tage lässt sich der Todeszeitpunkt anhand der Menge des zerfallenen Materials relativ genau ermitteln.
Den Ort, an dem sich ein Toter in seinen letzten Jahren aufgehalten hat, bestimmt Black hingegen mit Hilfe von verschiedenen stabilen Blei-Isotopen. Denn je nach lokaler Geologie und je nachdem, ob und welcher Bleizusatz im landesüblichen Benzin verwendet wird, hat sich eine andere Zusammensetzung von Isotopen in den Knochen des Toten abgelagert.